Von Seoul nach Peking

11-16-2015

Seit Samstag Abend bin ich in Peking. Angekommen bin ich bei wolkenlosem Himmel. Dennoch war die Sonne kaum sichtbar...Smog verschleiert einfach alles. Man sieht nur das, was sich in allernächster Nähe befindet, der Rest verschwindet im Nebel - geradezu gespenstisch. Das Rollfeld sah ich auch erst wenige Sekunden vor dem Aufsetzen des Flugzeuges. Berichten möchte ich aber über Süd-Korea. 

Südkorea gedenkt des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung mit vielen Veranstaltungen und reflektiert dabei stets die eigene Situation. Das spürt man deutlich bei den im Anschluss an meine Vorträge stattfindenden Frage-Stunden. Mir ist hier klar geworden, dass die Situation des geteilten Korea mit der des geteilten Deutschland nicht vergleichbar ist. Als die Mauer in Berlin fiel, leitete dieses Ereignis die Beendigung einer 40jährigen deutschen Teilung ein, während der es aber Kontakt zwischen den Deutschen gab. Familien konnten sich aufgrund der Reisemöglichkeit von West nach Ost und später auch von Ost nach West sehen und es flossen Informationen zwischen beiden deutschen Staaten. Korea ist nun schon 70 Jahre geteilt, die letzten Familienbande besteht zwischen 80- bis 90jährigen. Es ist eine Frage der Zeit, dass die Bürger des einen Landes nichts mehr mit denen des andernen verbindet, ausser - dass sie mal ein Volk waren und auch heute mit Japan noch einen gemeinsamen Feind haben (in der "Korean Post" las ich neulich, dass 60 % der Südkoreander Japan hassen... in Nordkorea dürften es aufgrund der kommunistischen Propaganda weit mehr Leute sein und es wird dort eifrig bis in die Kindergärten tradiert). Die Jugendlichen Südkoreas, so mein Eindruck, stehen einer koreanischen Wiedervereinigung weitestgehend desinteressiert gegenüber und auch die Erwachsenen fürchten eher die Kosten als dass sie einen Nutzen in dieser sehen. Dennoch reden alle von einer Wiedervereinigung und reagieren irritiert, wenn man als Deutscher den Eindruck, eine Wiedervereinigung liege in weiter Ferne, zum Ausdruck bringt. In Korea gibt und gab es auch keine Annäherungspolitik, die mit der von Willi Brandt vergleichbar wäre. Die Fronten scheinen verhärtet und Nordkorea verhindert jeden Kontakt seiner Bürger zum Ausland und zu Ausländern im eigenen Land... (wovon ich mir ab morgen ein Bild machen werde).

Joachim Gauck war zum Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands in Seoul zu Gast und dieser Besuch war einer der am meisten beachtetsten eines Staatsmannes in jüngster Vergangenheit. Auch ich spürte das deutlich, denn wo ich auch hinkam sprach man von seinem Besuch.

Nach Besuchen in der deutschen Schule, dem Goethe-Institut, dem Museum für koreanische Zeitgeschichte, Begegnungen mit nordkoreanischen Flüchtlingen und Zeitzeugen der südkoreanischen Diktatutur, besuchte ich die Hankuk University of Foreign Studies und war dort mehr als beeindruckt von der Würdigung meines Besuchs (siehe Bild mit Banner). Ich lernte aber auch noch die Keimyung Universität in Daegu, einer Stadt im Süden Koreas, kennen und war auf mehreren Pressekonferenzen zu Gast. Es werden 3 Zeitungen über meinen Besuch berichten, worauf ich mehr als gespannt bin, denn die Übersetzung des von mir Gesagtem dauerte stets 3mal so lang...

Als ich am Samstag aus Seoul abreiste, war ich eigentlich ziemlich traurig. Ich hatte so viele Begegnungen die so nachhaltig auf mich wirken. Mitarbeiter der deutschen Botschaft verabschiedeten mich aber mit der Bemerkung "man arbeite schon an meinem nächsten Besuch"... na wenn das keine Perspektive ist!

Seoul behalte ich in bester Erinnerung - die Menschen, die Veranstaltungen, aber auch die wunderbare herbstliche Laubfärbung.

Über China berichte ich, wenn ich wieder das Gefühl habe alles sagen zu dürfen und ungehinderten Zugang zu allem im Internet zu haben, was ICH als wichtig erachte (so ist mein Blog hier z.B. gesperrt)...

Jetzt geht es erst einmal nach Nordkorea und das mit durchaus gemischten Gefühlen. Auch da wird es mit einer Berichterstattung dauern, da ich im Land selbst keinerlei Kontakt zur Aussenwelt habe und mich nach meiner Rückkehr nur kurz in Peking aufhalten um dann in Hong-Kong "durchzuatmen"...

Denkt an mich!

 





Südkorea

11-14-2015

Ich bin auf dem Sprung zum Flughafen um den Flieger nach Peking zu bekommen. Das Programm in Seoul und auch in anderen Städten Südkoreas war so dicht, so intensiv aber auch so ergiebig und ich habe so viel Wertschätzung erfahren, dass ich erst einmal Zeit zum "Sortieren" brauche um einen aussagekräftigen Bericht zu schreiben.

Ich verlasse Seoul mit tollen Eindrücken und mache mich auf (wenn alles gut geht) in den anderen Teil Koreas...

Seoul

11-11-2015

Also, ich bin nicht gerade erst aufgestanden... aber nach einem faulen Sonntag bin ich seit Montag "im Geschehen" und mehr als überrascht über das dichte Programm und die Resonanz auf meinen Besuch. Ich war bereits an der deutschen Schule, im Goethe-Institut, im Museum für Zeitgeschichte und auf 2 Pressekonferenzen. Überall habe ich interessante Menschen getroffen und unzählige Gespräche geführt. Meine Eindrücke muss ich erst ordnen, bevor ich sie schildern kann.


Aber wenigstens ein paar Bilder will ich einstellen...

 



Seoul (ich bin drin)

11-07-2015

Ich bin angekommen... und reingekommen!


Ersteres war zu erwarten, aber 3 Kontinente innerhalb von 6 Tagen ist selbst für mich ein bisschen viel des Guten. Ich bin kaputt - aber froh eben reingekommen zu sein. Jetzt kann ich es verraten... sowohl die Einreise in die USA, als auch nach Südkorea war keineswegs selbstverständlich - mit einem nordkoreanischen Visum im Pass... was ich damit anzustellen gedenke, schreibe ich Montag und stelle dann auch ein paar aktuelle Bilder ins Netz.


Jetzt schlaf ich erst einmal aus!

Boston

11-06-2015

Mein Aufenthalt in den Staaten dauerte ganze 58 Stunden, davon gingen 10 Stunden drauf für: "in NY einreisen, Hotel einchecken, Hotel auschecken, Flug nach Boston einechecken, Flug zurück nach NY einschecken, JFK nach Seoul einchecken - Warten... Bericht schreiben!" ... die Zeit die blieb war Klasse, intensiv und somit sehr nachhaltig.


Ich hatte 4 wunderbare Hosts und die beiden Zeitzeugengespräche an der deutschen Schule waren ebenfalls etwas Besonderes. Das eine vor 9./10. Klassen - da erarbeiteten die Schüler einen interessanten Fragenkatalog dessen Beantwortung den zeitlichen Rahmen fast sprengte und somit für einen lebendigen Austausch sorgte. Das  andere vor Schülern der 11./12. Klassen - da war die Zeit so knapp bemessen, dass ich mehr als doppelt so schnell sprechen musste, um alles an die (wirklich sehr) interessierten Schüler zu bringen. Die Vorbereitung auf das Zeitzeugengespräch durch die Geschichtslehrer war sehr gut, die Gruppen, verglichen mit denen in Südamerika, aber vergleichsweise klein. Die Schule selbst hatte ebenfalls geradezu gemütliche Dimensionen, verglichen mit den Hochsicherheitsfestungen in Argentinien und stärker noch in Brasilien... alles in allem sehr angenehm! Ich habe ein gutes Gefühl, wenn ich die vergangenen 2 Tage und meinen Besuch an der Schule reflektiere.


Meine Freizeit in Boston nutzte ich, um laufender- oder fahradfahrenderweise die Stadt zu erkunden - eine fantastische, sehr europäisch anmutende Stadt, die natürlich sehr stark von der Präsenz junger Leute geprägt ist, welche an der legendären Harvard-University, oder den anderen Bostoner Hochschulen studieren. Das Wetter war mit Temperaturen bis 22 Grad und blauem Himmel fabelhaft und der Abschluss mit einem Besuch bei den Bostoner Symphonikern und einem fulminanten Konzert mehr als rund. Ich sag ja, kurz aber "heftig".


Jetzt geht es "hinten herum" über den ganz großen Teich nach Asien - das wird n bisserl dauern...


 

 






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