Peter´s Blog http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php Peter´s „60-Tage-um die Welt-Reise“ en-us ... zurück in Deutschland ... und ... http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=37 Nun sind wir zurück in Deutschland, gewöhnen uns vor Ort ganz langsam an die neue (Corona-) Situation - und lassen die Eindrücke der vergangenen Monate nachwirken ... - da gibt es noch viel "aufzuarbeiten" und ... nun die Zeit dazu ... !!! In Essen erstmal - und hoffentlich bald auch wieder in Berlin und andernorts...


aktuell: Rheinische Post vom 16. März 2020


Essen und das Ruhrgebiet am 16. März 2020 um 10 Uhr - von oben sieht die Welt doch ganz in Ordnung aus ... !!!


]]>
Tue, 17 Mar 2020 19:07:15 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=37
Thailand und ... http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=36 Wir sind - nach unserem "kurzen und heftigen" Aufenthalt in Sydney und Melbourne - jetzt in Thailand angekommen... wohl behalten und gesund...!!! Eigentlich sollte Bangkok nur ein Zwischen-Stopp auf dem Weg nach Seoul sein, ...

Von hier aus werden wir allerdings aufgrund der aktuellen Entwicklungen rund um den Corona-Virus unsere Reise nach Südostasien nicht weiter fortsetzen, sondern nach Deutschland zurückkehren. Wir bedauern den Abbruch unserer Reise sehr! Und wenn wir uns vor Augen halten, dass Süd-Korea einmal unser Hauptziel war und der Höhepunkt unserer Reise werden sollte, sind wir auch sehr enttäuscht. Um so stärker wirken jetzt aber die Begegnungen und Erlebnisse unserer bisherigen Reise ("Welt-Tour in Sachen Diktatur-Erfahrung und Demokratie-Erziehung") nach, über die wir gerne in unserem Blog berichtet haben und in Kürze noch ausführlicher persönlich berichten werden.

Bevor wir uns nun in den nächsten Flieger schwingen, verbringen wir noch einige erholsame Tage bei Freunden südlich von Hua Hin... Die Lage hier ist noch entspannt - und wir hoffen, dass es in Deutschland nicht noch dramatischer wird...!!!





...und nochwas zum Nachlesen - bevor wir in Deutschland sind...:

Bericht in der Cronica / Venezuela vom 18. November 2020

Bericht im Argentinischen Tageblatt vom 31. Januar 2020

Bericht in der Rheinischen Post vom 26. Februar 2020


]]>
Fri, 13 Mar 2020 08:15:39 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=36
Australien - Melbourne http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=35 Melbourne empfängt uns mit Wind, niedrigen Temperaturen und Regen. Das soll die kommenden Tage auch so bleiben... Dennoch hat die Stadt so viele schöne Seiten, die wir genießen können. Viele Geschäfte, Restaurants und kleine Cafes laden zum Aufenthalt ein. Und auch Sehenswürdigkeiten gibt es zahlreiche. Eine, die uns besonders begeistert hat, war die State Library of Victoria. In den Räumlichkeiten dieser Bibliothek haben wir inspirierende Stunden verbracht. Peter hat sich hier auf seinen Vortrag an der Melbourne University und der Monash University vorbereitet. Diese Veranstaltung war erfreulich gut besucht und traf auf diskussionsfreudige Teilnehmer/innen, führte zu einem angeregten Austausch und wurde durch eine gesellige Runde in der Watson's Wine Bar abgeschlossen. Für uns selbst war der Austausch auch deshalb so gewinnbringend, weil wir kenntnisreiche und freundliche Menschen kennengelernt und durch sie auch viel über Australien, seine Menschen und seine Geschichte erfahren haben.




Die beiden Aufenthalte an der Deutschen Schule Melbourne waren für die "Kleinen" vorgesehen. Die Kleinen waren im Alter von 12 bis 16 Jahren. Diese Kleinen haben sich aber als "Große" erwiesen, denn sie waren sehr aufmerksam, informiert und haben wirklich interessante Fragen gestellt.



Wir verlassen Melbourne mit gemischten Gefühlen, weil der Coronavirus weiter um sich greift und nun unsere gesamte weitere Reiseplanung infrage stellt. Unsere Reise soll ja noch über Thailand und Südkorea und Japan gehen... wir werden sehen und berichten - und erstmal in Ruhe einen guten Kaffee trinken... zumal es gerade nicht regnet...!!!




]]>
Wed, 11 Mar 2020 07:05:05 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=35
Australien - Sydney http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=34


Die Buschbrände sind mehr oder weniger vorüber.
Der lang herbei gesehnte Regen hat geholfen.
Die Temperaturen sind auf ein erträgliches Maß gesunken.
Australien und Sydney empfangen uns mit einer frischen Brise.

Einer unserer ersten Wege führt uns zum Hafen und zum Sydney Opera House,
dem wohl bekanntesten Wahrzeichen und Weltkulturerbe Australiens.
Wir erleben einer brilliante Aufführung von Gounods "Faust".


Das zweite Muss unseres Aufenthaltes ist das Tennisspielen im Sydney Gay Tennis Club im Moore Park - Peters "Heimatverein".


Seinen großen Aufschlag hat Peter aber mit seinen Vorträgen an der German International School und an der University of Sydney. Diese beiden Orte haben für ihn eine ganz besondere Bedeutung. Hier hat er im Jahre 2012 zum ersten Mal mal an einer deutschen Auslandsschule und an einer ausländischen Universität vorgetragen. Hier entschloss er sich, seine Tanzschule zu verkaufen und sich der Wissenschaft und seiner Familiegeschichte zu widmen. Seinerzeit ist er als Zeitzeuge gekommen, heute verlässt er Sydney als Historiker, dessen Vorträge auch hier auf Interesse und Resonanz treffen.

"Deutsche Schule Terry Hills"

"Sydney University"

Die Zeit in Sydney mit seinem "easy going" vergeht viel zu schnell. Neben den offiziellen Terminen frischen wir alte Freundschaften auf und lassen es uns gut gehen. Einigen in Deutschland wird vielleicht noch die Tanzkollegin und langjährige Freundin von Peter, Julie Tremp, in guter Erinnerung sein.

"Julie Tremp"

Wir hatten Glück, dass unser Aufenthalt in die Zeit des Mardi Gras, des größten schwulen Karenvals der Welt, fiel und wir dieses wunderschöne Straßenfest erleben durften, das auch ein politisches Statement für Vielfalt und gegen Ausgrenzung darstellt. Auch die größten Führer dieser Welt bekamen ihr Fett ab. Anders als beispielsweise in Chile, hat die Polizei hier ein gutes Image bei den Leuten und spielt im Festzug kräftig mit.


Trotz Coronovirus fand der Mardi Gras statt und schien bei aller friedlichen und ausgelassenen Freude abwesend. Doch in jedem Gespräch, dass wir führten kamen wir auf dieses Thema. Alles nur Hysterie?! Und müssen wir uns nicht noch viel mehr Sorgen machen über die Vorgänge in der  Türkei...!?

Bevor es weiter nach Melbourne geht, trifft sich Peter noch mit Andrew Beattie, dessen Doktorarbeit "Playing Politics with History" ihn zum Studium inspirierte und ein wertvoller Begleiter während seiner beiden Studiengänge war. In diesem Gespräch bekommt Peter wichtige Hinweise zur weiteren Arbeit an seiner Dissertation.

"Dr. Andrew Beattie"


In Deutschland kennen viel zu wenige Menschen das Buch "Stasiland" der australischen Autorin Dr. Anna Funder. In vielen australischen Schulen gehört es dagegen zur Pflichtlektüre. So wundert es nicht, dass einige australische Schüler/innen teilweise versierter mit Fakten und Personen zur DDR-Geschichte umgehen als deutsche Schüler/innen. Nach dreißig Jahren hat das Buch nun eine Neuauflage erfahren und Anna Funder bringt ihre Perspektive erneut in die Diskussion ein. Das Treffen an der TU Sydney und der Austausch mit ihr waren in jeder Hinsicht anregend und motivierend für die weitere Arbeit, da sich die Interessen und Themen von ihr und Peter vielfältig kreuzen und ergänzen.


"Dr. Anna Funder"


Sicher gäbe es noch viel mehr zu unserem Aufenthalt in Sydney zu berichten, aber wir müssen weiter... jetzt erstmal nach Melbourne...!!!


]]>
Thu, 05 Mar 2020 13:19:58 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=34
Neuseeland - Christchurch Wellington Auckland http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=33 Mit "Christchurch und Akaroa" haben wir den südlichsten und weitest entfernten Ort unserer Reise erreicht. Nachdem wir in Akaroa ein Stück vom "savoir vivre" und "wie Gott in Frankreich" erlebt haben, hat uns Christchurch daran erinnert, dass Naturgewalten (Erdbeben) das Leben und die Natur im wahrsten Sinne des Wortes ganz schön durcheinander bringen können. Dann braucht es viel Zeit, die Schäden wieder zu beseitigen. Die Kathedrale von Christchurch - das Symbol der letzten großen Erdbeben 2010/11/16 - soll ab Ostern 2020 wieder aufgebaut werden. Aber auch durch menschliche Gewalt (Anschlag auf die Moscheen im März 2019) ist Christchurch aufgefallen und arbeitet daran, diesen Teil seiner Stadtgeschichte, der nicht nur Neuseeland, sondern die ganze Welt erschrocken hat, aufzuarbeiten. Hier, wie an anderen Orten in Neuseeland, wird aber auch an die Greuel des 20. Jahrhunderts erinnert, besonders auffällig sind dabei die teilweise monumentalen Erinnerungsdenkmäler an den ersten Weltkrieg.



Wellington, die Hauptstadt Neuseelands, haben wir auf unserer Hinreise nur kurz erlebt. Auf unserer Rückreise in den Norden hat uns diese Stadt dann länger mit viel Sonnenschein und gelassener Lebendigkeit empfangen - und durch Unterstützung des Goethe-Instituts mit vielen Menschen in fruchtbaren Kontakt gebracht.


Unser Aufenthalt in Neuseeland ist ja nun länger geworden als geplant, weil unsere Reiseplanung durch den Coronavirus doch deutlich beeinträchtigt wurde (und immer noch wird). Aber das hat(te) eben auch seine guten Seiten...

Wir haben uns sehr darüber gefreut, dass wir in Neuseeland die Zeit durch zusätzliche Veranstaltungen gut nutzen konnten, z.B. nicht nur beim Goethe-Institut in Wellington, sondern auch bei der Goethe-Gesellschaft in Auckland und bei diversen öffentlichen und privaten Schulen sowie der University of Auckland.

Alle Veranstaltungen waren (überraschend) gut besucht, sind auf breites Interesse gestoßen und haben zu interessanten Diskussionen geführt. Deutschland mit seiner Kultur, die deutsch-deutsche Geschichte und die aktuellen Entwicklungen in Deutschland bzw. Europa sowie die Themen "Diktatur und Demokratie" finden also auch in diesem entlegenen Teil der Erde große Aufmerksamkeit. Durch Vermittlung von Judith Geare und Astrid Lindberg (Goethe-Institut bzw. Goethe-Society) haben wir "witzigerweise" auch einen neuseeländischen Filmemacher kennengelernt, der einen bewegenden Film über den Mauerfall gedreht hat und seinerzeit (in der Nacht des 9. November 1989) die ersten Passanten am Checkpoint Charly interviewt hat... Ein Neuseeländer als "An accidental Berliner"...!!! Den Film werden wir bestimmt auch mal im F19 zeigen - lohnt sich...!!!

Wir haben bei dieser Gelegenheit zudem erfahren, wie intensiv, förderlich und nachhaltig der (Schüler-) Austausch zwischen Deutschland und Neuseeland ist. Das zeigt sich auch an der schönen Begegnung mit einem Austauschschüler aus Dinslaken (!), der die Veranstaltung an der University of Auckland besuchte - und... ein ehemaliger Schüler der Tanzschule(n) Keup war...!!!


Wir werden von Neuseeland aus nach Australien und dann weiter nach Südostasien reisen. Durch den Coronavirus sind die dortigen Veranstaltungen entweder ausgefallen oder verschoben worden. So müssen wir ganz flexibel auf die neue (Termin-) Situation reagieren und uns den Verhältnissen anpassen.
Wir sind insgesamt dennoch ganz zuversichtlich, dass wir an den vorgesehen Stationen gute Veranstaltungen und Begegnungen haben werden. Zu den Stationen zählen Australien, Thailand, Korea und Japan, ggf. auch Nepal. Lediglich Hongkong und Taiwan werden wir wohl definitiv nicht ansteuern können.

Auf unserer bisherigen Reise haben wir viele Länder bereist, in denen die politischen, wirtschaftlichen und sozialen Verhältnisse äußerst prekär, instabil und gefährdet sind.
In Neuseeland genießen wir seit langem wieder ein Land mit stabilen Verhältnissen. Manchmal erscheint uns dieses Land mit seinen freundlichen Menschen, seiner intakten Infrastruktur und seiner beeindruckenden Natur wie ein Paradies, obwohl auch hier, wenn man genauer hinschaut, Armut und Ungerechtigkeit sowie Kriminalität anzutreffen sind.
Steigende Mieten und hohe Bildungskosten machen den Menschen hier erhebliche Probleme. Die Ureinwohner Neuseelands, die Maori, sind in Neuseeland zwar rechtlich gleichgestellt, allerdings ist ihre soziale Lage schwierig und von vielen Benachteiligungen gekennzeichnet.


Neuseeland ist auch ein Land mit einer hohen Einwanderungsrate, geht damit aber sehr offen um und hält an seiner Willkommenskultur fest. So kann das Verhältnis der unterschiedlichen Nationalitäten, die hier zusammen leben, als verhältnismäßig entspannt bezeichnet werden. Auffällig ist dabei die hohe Präsenz chinesischer Einwanderer, die sich im Stadtbild und in der Geschäftswelt deutlich abzeichnet. Diese Erfahrung haben wir schon in Südamerika gemacht und deutet aus unserer Sicht - zumindest zum Teil - auf eine durchaus als strategisch angelegte und bewusst gesteuerte Entwicklung hin.


So wie in Deutschland, ist allerdings auch hier in Neuseeland (in unseren Veranstaltungen und Begegnungen) immer wieder eine Haltung anzutreffen, die die im Durchschnitt guten politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse als selbstverständlich ansehen. Freiheit und Wohlstand sind aus unserer Sicht allerdings keine Selbstläufer, wie wir nicht zuletzt in Südamerika gelernt haben. Für beides muss gearbeitet und gekämpft werden. Beides muss immer wieder neu erstritten werden. Das gilt auch für Deutschland!

Und hier sind wir an einem Punkt, der uns besonders wichtig ist. Wir sehen in Deutschland und in anderen Ländern die demokratischen Verhältnisse gefährdet. Wenn antidemokratische, nationalistische und sogar rassistische Haltungen immer lauter werden, erschreckt uns das in besonderem Maße. Uns erschreckt auch, dass immer wieder in den Diskussionen, die wir führen, darüber gesprochen wird, dass autoritäre Systeme für Menschen Vorteile bringen (würden), die eine Demokratie nicht in der Lage ist zu bieten. Und immer wieder wird dabei China als Beispiel genannt und sogar als ganz normales kapitalistisches Land bezeichnet und nicht als Diktatur wahrgenommen.
Solche oder ähnliche Haltungen ermöglichten es politischen und sozialen Strömungen eine Stimmung zu erzeugen bzw. darauf aufzubauen, die Menschen- und Freiheitsrechte einschränken (wollen). Gegen diese Strömungen kämpfen wir mit unserer Arbeit der Aufklärung über Diktatur und Demokratie... hier im Ausland an deutschen Auslandsschulen und an Universitäten o.ä. sowie bald auch wieder an der "Heimatfront" in Deutschland!

Wir haben in Neuseeland nicht nur professionelle Kontakte gemacht, sondern warmherzige, interessierte und engagierte Menschen kennengelernt... und Freunde gefunden, von denen wir viel gelernt haben und mit denen wir uns verbunden fühlen...

Das hat uns den Abschied sehr schwer gemacht ... !!!

Aber jetzt wartet Australien auf uns - und damit die "alte Heimatstadt" von Peter: SYDNEY...



]]>
Mon, 24 Feb 2020 13:50:15 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=33
Neuseeland - Auckland Hamilton Rotorua Taupo Wellington Christchurch http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=32 Wir haben Federn gelassen...Zuerst war mein Schal weg... in Boston bei Minusgraden, schon ein Jammer (aber erträglich), dann meine Brille..., die habe ich auf dem Flug von Santiago nach Buenos Aires aus dem Rucksack geholt, um zu lesen - hab' dann aber vorgezogen zu schlafen und die Brille im Flieger vergessen... hm (schon doof). In El Calafate hat Harald ein Mäppchen mit Kreditkarte, Führerschein und einer überschaubaren Geldsumme im Bus liegen lassen - weg (!)... Ihr seht, es wird immer doofer. Ich habe im Taxi in Hamilton mein Mobiltelefon liegen lassen - auch weg (!!)... das war ein Tiefpunkt. Noch am Morgen habe ich mit meinen Tango-Paaren geskypt und danach ist es passiert. Im Bus hat Harald seine zwei Jacken vergessen - bei einer Reise mit Handgepäck ist das schon ein bedeutender Verlust... aber es besteht noch eine kleine Chance auf "lost and found" - wir nehmen's sportlich!


Inzwischen sind wir über all die großen und kleinen Verluste hinweg und genießen Neuseeland. Egal wo wir uns aufhalten - es begegnen uns freundliche, aufgeschlosse, interessierte, hilfsbereite und gutgelaunte Menschen. Das Wetter ist ein Traum - nicht zu heiß, nicht zu kalt und immer sonnig (vielleicht sind die Menschen deshalb so freundlich usw.) Die Vegetationsvielfalt ist atemberaubend, die Tierwelt, die Landschaft und das Meer ebenso. Der ideale Platz zum Leben, nur eben am anderen Ende der Welt. Von hieraus ist alles weit weg - knapp vier Stunden dauert ein Flug nach Australien, um dann im gleichen Kulturraum, mit ähnlichen Stadtbildern, bei ähnlich schönem Wetter (gewiss heißer) auf ebenso freundliche Menschen zu treffen... wie "langweilig" (?!) Ein Flug nach Bali dauert 9 Stunden und nach Santiago de Chile knapp 14. Nach Europa gelangt man innerhalb von mindestens 30 Stunden...


Aber jetzt bin ich hier und muss langsam wieder in die Arbeit einsteigen (und Harald hilft dabei, was durchaus auch anstrengend sein kann [in Deitschland führen wir eine Fernbeziehung - HIER NICHT!])...

]]>
Wed, 12 Feb 2020 02:42:25 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=32
Neuseeland http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=31

Die zweite Hälfte unserer Welt-Tour hat bereits begonnen...


Neuseeland und Auckland haben uns entspannt und beeindruckend in Empfang genommen - und überrascht... Wir haben das Paradies "ganz nah" gefunden: Waiheke Island...!!! Eine echte Entdeckung...


Bevor die ersten Veranstaltungen beginnen und wir "wieder ran müssen", genießen wir Land und Leute - und vor allem die angenehmen Temperaturen - in vollen Zügen...!!!



]]>
Sun, 02 Feb 2020 05:19:18 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=31
Argentinien http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=30

Was als Erstes in Argentinien auffällt, ist die Lebensfreude und die ungezwungene Art des Miteinanders. Aber - das wird sehr schnell deutlich - ist dies häufig nur die Oberfläche! Man kann feststellen, dass in der Realität eine tiefsitzende pessimistische (Grund-) Haltung anzutreffen ist oder zumindest eine fatalistische.


Und das hat durchaus ein tragisches Element! Außer bei Fußball-Weltmeisterschaften, so erfahren wir, sprechen beispielsweise die Argentinier am liebsten von ihrem Land, indem sie sagen: Dieses Land! Und wenn sie von diesem Land sprechen, klingt es wie ein "anderes Land" und ist es immer schlecht und von Kleinkriminellen und Dieben und Mördern regiert. Die politischen Lager stehen sich unversöhnlich gegenüber und schimpfen übereinander. Alles was schlecht ist, liegt ursächlich immer an den anderen! Jedes positive Beispiel einer Entwicklung wird durch ein negatives konterkariert. In den Diskussionen kommt man so häufig kein Stück weiter - das führt häufig zu frucht- und ergebnislosen") Diskussionen.

Dreh- und Angelpunkt unseres Aufenthaltes in Argentinien war und ist das Haus von Monika in San Isidro. Monika und ihr Sohn Janni waren uns vorbildhafte und herzensgute Gastgeber. Wir haben uns hier willkommen und zu Hause gefühlt. Zudem haben wir auch hier viel über Argentinien und die Argentinier lernen können. Vor allem haben wir viel durch sie und anderen Deutsch-Argentinier über die Auswanderer-Gemeinschaft der Deutschen gelernt, die sich hier in allen (!) Phasen der Geschichte Argentiniens durchaus wohl gefühlt hat, aber auch sehr deutlich mit diesem Land und seiner Entwicklung hadert sowie von der Gleichgültigkeit - oder sagen wir vielleicht besser - vom Gleichmut "der Argentinier" entmutigt ist. Viele von ihnen überlegen das Land, wie andere auch, (wieder) zu verlassen, um woanders ihr Glück zu suchen. Eine Rückkehr nach Deutschland ist dabei nicht immer ganz einfach. Denn die Brücken, die hier abzubrechen sind und auch die finanziellen, vor allem bürokratischen Hürden, die zu berücksichtigen sind, machen es schwierig.

Vielleicht fragen sich einige, was nun mit dem Tango ist. Ja, auch der Tango hat während unseres Aufenthaltes in Buenos Aires natürlich eine große Rolle gespielt, denn er ist allgegenwärtig und wir werden wieder viele Eindrücke mit nach Hause bringen. Wenn man dem Tango allerdings ausweichen möchte, geht das auch - und da gibt es viel zu entdecken...

Einige werden das Buch von Fleischhauer "Drei Minuten mit der Wirklichkeit" kennen und daher wissen, wie sehr der Tango auch mit der politischen Geschichte Argentiniens verbunden ist, mit den hellen und mit den dunklen Seiten... Aber gerade letztere werden häufig gern vergessen oder zumindest vernachlässigt - auch beim Tango tanzen...  

Der Besuch der ESMA - der Escuela Superior de Mecanica de la Armada, wo Gegner der Militärdiktatur von 1976 bis 1983 auch während der Fußball-Weltmeisterschaft, die in diese Zeit fiel, gefoltert und umgebracht wurden, hat uns dies noch mal vor Augen geführt. Nur wenige Argentinier und noch weniger (Tango-) Touristen setzen sich mit diesem Aspekt ihres (Gastgeber-) Landes auseinander. Wir können nicht anders, als uns damit auseinandersetzen und hoffen, dass das nicht schon mit einer "deformation professionelle" zu tun hat. Die Geschichte tanzt für uns... Tango... !!! Und der ist eben auch immer ambivalent...


Schaut man - und das ist durchaus eine pauschale Sichtweise - hinter die Fassade "des freundlichen Argentiniers", dann kommt nicht nur der Machismo zum Ausdruck, sondern es wird deutlich, wie stark der Argentinier geprägt zu sein scheint von Eigensinn statt Gemeinsinn. Dies bietet nochmal die Gelegenheit einen Blick auf die aktuelle Lage in Argentinien zu lenken und zur Diskussion zu stellen:

Die Solidarität geht meist nicht über die Familie hinaus. Das ist umso schlimmer, da Argentinien "seit Anfang an und bis heute" von etwa 15 bis 20 großen Familien beherrscht zu sein scheint, die sich im Machtgefüge jeweils abwechseln, unterstützen oder behindern. Die jetzige Vizepräsidentin, vor vier Jahren noch Präsidentin Argentiniens, hat sich nach der Wiederwahl ihrer Partei mit "ihrem" Präsidenten im Stile Putins die Aufgabenbereiche so geteilt, dass sie nun über Verantwortungsbereiche verfügt, die ihr die Möglichkeit verschaffen, die gegen sie gerichteten (u.a.) Korruptionvorwürfe zu vereiteln oder zu vertuschen.

Wichtige Positionen scheinen mit gefügigen, häufig wenig erfahrenen Personen besetzt zu werden. Oder wie kann man es sich beispielsweise erklären, dass eine 28-Jährige Chefin der Zentralbank Argentiniens wird? Nichts gegen die Kompentenzen junger Menschen... aber...

Gerade die anhaltend hohe Inflation ist hier für die Menschen in Argentinien ein riesiges Problem und bestimmt das Alltagsleben in allen seinen Dimensionen. Die Angst geht um, dass die Inflation weiter an Fahrt gewinnen wird und die Lebenshaltungskosten steigen werden und "falsche" (Gegen-) Maßnahmen getroffen werden. Der Verdienst wird innerhalb kürzester Zeit entwertet und eine Schattenwirtschaft entsteht, die auch durch einen florierenden ...sagen wir mal... "Dollar-Handel" gekennzeichnet ist. Die "Florida", eine bekannte Einkaufsstraße in Buenos Aires, ist wieder zu einer Straße der "cambio-cambio" - Rufer geworden.

Allerdings wird dem neuen Präsidenten Fernandez von einigen durchaus zugetraut, die Geschicke Argentinien positiv zu wenden. Ich wünsche es den Menschen hier...!!!

Abgesehen von diesen widrigen Umständen ist Argentinien immer wieder eine Reise wert. Der Aufenthalt in El Calafate und der Besuch unseres Künstler-Freundes und Bergführers Ceferino Marino Chamoux sowie der Besuch des Künstlers Daniel Kaplan in Mar del Plata bleiben unvergessen. Beide haben sich dort vor Ort eine Welt und Arbeitsmöglichkeiten geschaffen, die Ihren Wünschen und Träumen entspricht und einem das Herz aufgehen lassen. Wir haben beide noch einmal auf eine ganz andere und tiefere Art und Weise kennengelernt, die uns den Eindruck vermittelt hat, wie tief diese beiden Menschen mit ihrem Land und ihrer Kultur verbunden sind und diese Verbundenheit in ihren jeweiligen Häusern, in denen sie wohnen bzw. die sie für sich gebaut haben und noch ausbauen, ausleben. Zudem sind beide mit der Natur, die sie umgibt, eng verbunden. Sie haben uns an Orte geführt, die uns nachhaltig beeindruckt haben. Zum einen war dies die Gletscher-Welt des Perito Moreno und die Gebirgs-Welt des Fitz Roy in El Chalten sowie des Lago Desierto. Zum anderen war dies die Stadt am Meer, Mar del Plata, die ansonsten von vielen eher abfällig beschrieben wird. Allerdings gibt es an jedem Ort Ecken, die nur Eingeweihte kennen und einen bezaubern können. Zudem haben wir unsere Freunde in Uruguay besucht, die uns ein Wochenende lang zu Familienmitgliedern machten. Wir haben mit ihnen schöne Tage am Strand, im Casa Publeo des Künstlers Vilaro und in Punta del Este verbracht. 


Unseren letzten Ausflug haben wir mit Monika und Janni nach San Antonio de Arecquo gemacht. Sie haben uns an diesem Ort ein traditionsreiches Stück Gaucho-Kultur gezeigt. Zudem haben Sie uns zu einem stolzen Gaucho-Künstler geführt, der es sich nicht hat nehmen lassen, uns ein spontan gemaltes Bild zu widmen. Auch in Buenos Aires waren wir in Sachen Kunst unterwegs und haben interessante Kontakte gemacht. Mal sehen, was daraus wird...




Wir verlassen Südamerika in Kürze Richtung Ozenanien und Asien, wo neue Eindrücke und auch wieder (Arbeits-) Aufträge auf uns warten, nachdem Chile und Argentinien mehr der Vertiefung alter und dem Aufbau neuer Kontakte sowie der Erholung diente. Dabei werden wir nochmal die eindrucksvollen Anden überfliegen, Chile queren und die Osterinsel passieren. Dorthin haben wir einen traumhaften Ausflug von Chile aus gemacht und sind in eine geheimnisvolle Welt eingetaucht. Hier wurde uns nochmal auf beeindruckende Weise deutlich, zu welchen großartigen Leistungen Menschen fähig sind. Gleichzeitig zeigt sich hier aber auch die Zerstörungskraft des Menschen, wenn er die Natur nicht achtet - und fremde Kulturen verachtet. Wir haben viel gelernt... und viel ist noch zu lernen...!!! Bekanntlich bildet Reisen ja... - also, wir sind unterwegs...!!!



]]>
Sun, 26 Jan 2020 23:35:09 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=30
Chile http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=29

Wir haben lange nichts geschrieben, aber jetzt sind wir wieder "auf Spur" und unser Blog wird in Kürze sogar die "Jetzt-Zeit" erreichen. Zudem haben wir noch Fotos zu unserem Brasilien-Aufenthalt in den Blog eingesetzt. 

Unsere Weiter-Reise führt(e) uns nach Chile, auf die Osterinsel und nach Argentinien. Einsteigen möchten wir mit Eindrücken aus dem "unruhigen" Chile, wo sich vor allem Harald in Santiago "ins Getümmel" geworfen hat und seine Erlebnisse schildert, bevor wir wieder von unseren gemeinsamen Erlebnissen und Erfahrungen berichten:

      Mir Tränen die Augen und ich atme schwer. Die Luft in Santiago ist getränkt von Tränengas und Rauch. Dieses Gemisch ätzt sich tief in meine Lunge und empfing uns als "Duft" schon bei unserer Ankunft in der Stadt. 
Sie - eine große Zahl von jungen und älteren Leuten - verbrennen Plastik und Gummireifen und skandieren ihre Parolen, tragen Transparente und schwenken Fahnen. Zuerst ging es den Demonstrantinnen und Demonstranten nur um den Prostest gegen (eigentlich) geringfügige Erhöhungen der Buspreise. Doch das war wohl der sprichwörtlich kleine, letzte, winzige Tropfen, der das Fass offensichtlich endgültig zum Überlaufen gebracht hat. Jetzt geht es um mehr - um Bildung, Gesundheit, Rente und richtet sich gegen geplante Privatisierungen in allen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Bereichen. Gekämpft wird für (z.B. Verfassungs-) Reformen - und vor allem auch gegen das staatliche Vorgehen und die staatliche Gewalt!


Ich will unbedingt bis ins Zentrum der Demonstration vordringen, um mir ein eigenes Bild zu machen, von dem was hier passiert. Immer wieder höre ich das Wort: ”mata paco" - und denke, wer wird dieser Typ wohl sein. Doch es ist kein Typ, sondern heißt sinngemäß "tötet die Bullen". Die Demonstration ist friedlich, doch der Ärger, die Wut grenzenlos. Und manchmal leider auch die Zerstörungslust - die Stimmung schlägt aggressiv um. Was mich aber am meisten erschreckt, ist das brutale Vorgehen der Polizei. Von Deeskalation kann keine Rede sein! Mit Wasserwerfern und gepanzerten Fahrzeugen fahren die "Ordnungskräfte" massiv in die Menschengruppen hinein, um sie auseinander zu sprengen. Schüsse fallen und Geschrei tönt durch die Straßen. Menschen fliehen, die "pacos" schießen hier gezielt in die Augen - und werden als "asessino" bezeichnet: Mörder! Es gibt Tote und Verletzte, wie ich später aus der Zeitung erfahre. Chaos... und erneuter Angriff und Gegenangriff, David gegen Goliath!


Die Ampelanlagen in der gesamten Stadt sind ausgefallen, zerstört worden. Die Protestierenden regeln den Verkehr offensichtlich selbst. Der Verkehr wird von den Brennpunkten abgelenkt. Die Protestierenden haben auch eigene Notfallplätze und Versorgungspunkte eingerichtet.
Und einen Block weiter, um die Ecke sitzen Menschen und essen zu Abend, ungerührt und unbeteiligt... Nur die Sirenen der Polizei- und Krankenfahrzeuge sind in etwas Entfernung zu hören. Und der "Duft"... liegt über der Stadt...!!!
Die Demonstrationen und Proteste halten die Stadt schon seit Wochen in Atem. Und das betrifft nicht nur Santiago, sondern auch weite Teile Chiles.
Santiago ist ein Meer von Graffitis und Wandmalereien. Teilweise kunstvoll und teilweise einfach nur hin geschmiert. Ein Hund mit roter Binde ist zur Symbolfigur der Protestbewegung geworden, des Widerstandes der Bevölkerung gegen die Maßnahmen der Regierung. Vor allem junge Leute protestieren. Und es sind wohl erstmalig sowohl "konservative" als auch "progressive" Kräfte vereint im Kampf um die Zukunft ihres Landes, wie uns auch Schüler/innen der Deutschen Schule in Valparaiso aus erster Hand und eigenem Erleben berichtet haben.


In Südamerika gibt es in fast jedem Land zurzeit Demonstrationen und Proteste. In Bolivien, in Ecuador, in Kolumbien, in Venezuela und in Chile. Aber auch in Brasilien und Argentinien ist die Lage instabil aufgrund der aktuellen Regierungswechsel und den damit verbundenen Entwicklungen, die in ganz unterschiedliche (rechts/links) Richtungen weisen.
Überhaupt ist uns diesmal die starke Polarisierung des politischen Systems und der Gesellschaft(en) hier besonders aufgefallen. Diese Polarisierungen führen dazu, dass Eliten (und damit Ideologien) bei jedem Regierungswechsel komplett ausgetauscht werden und ihre Wirkung entfalten. Kompromiss und Ausgleich scheinen Fremdworte zu sein. Die Versorgung der eigenen politischen und gesellschaftlichen Klientel scheint das erste und oberste Gebot zu sein. Und die Angst derjenigen, die etwas haben, ist allgegenwärtig. Hinter Mauern, Stacheldraht und Überwachungsanlagen wird die eigene Welt und Weltsicht verteidigt - und die setzt allzu häufig in jeder Hinsicht bei aller Freundlichkeit und Offenheit auf Abschottung und Ausgrenzung. "My home is my castle" bekommt hier eine ganz andere Bedeutung.
Auch die Unterschiede zwischen Arm und Reich fallen uns diesmal besonders ins Auge. So krass und so dicht nebeneinander, wie bei diesem Besuch und lokal sicherlich auch unterschiedlich, haben wir das bisher noch nicht erlebt. Schockierende Bilder im Alltag direkt unter unseren Füßen, ohne lange suchen zu müssen...
Das ist alles nicht neu! Aber die aktuelle Wucht dieser Erscheinungen ist schon sehr bemerkenswert...

Wenn wir uns die Veranstaltungen an den Universitäten und Schulen in den USA und in Kolumbien in Erinnerung rufen - aber auch jene in Brasilien, Chile und Argentinien, so fällt uns auf, dass neben den üblichen Fragen, immer wieder die Frage nach der Zukunftsfähigkeit von Demokratien auftaucht und ernsthaft die Frage der Vorteilhaftigkeit von autoritären oder sogar diktatorischen Systemen diskutiert wird.
Im Gegensatz dazu wurde in Venezuela danach gefragt, wie es den Menschen in der DDR seinerzeit gelungen ist, das System mit friedlichen Mitteln umzustürzen und den nachfolgenden Prozess konstruktiv zu gestalten. Hier wird also nach einer Blaupause für einen Wandel gefragt, die es so natürlich nicht geben kann.

Für uns wird allerdings immer mehr deutlich, dass die durch verantwortungsvolle Eliten (auf beiden Seiten!) getragenen Rahmenbedingungen ein entscheidender Faktor waren, die in Deutschland dazu beigetragen haben, dass sich der Wille der Menschen, der sich auf den Straßen (und später auch an den Wahlurnen) ausdrückte, friedlich und eindrucksvoll durchsetzen konnte. Für uns ist dabei die visionäre und wirkmächtige Rolle, die Michael Gorbatschow eingenommen hat, in diesem Zusammenhang von entscheidender Bedeutung. Ohne ihn "im Hintergrund" - oder mit einer anderen Person an der Spitze der Sowjetunion - hätte die DDR-Führung möglicherweise doch eine "chinesische Lösung" vorgezogen. Glücklicherweise haben aber auch hier verantwortungsvolle Kräfte das Schlimmste verhindert oder hatten die Einsicht in das (vielleicht) Unvermeidliche...
Nun kann viel am "Wieder-Vereinigungs-Prozess" und an den aktuellen Entwicklungen im vereinten Deutschland kritisiert werden. Aber wir wissen heute schon, dass wir in dem Bewusstsein nach Deutschland zurückkehren werden, dass dieses Land (fast) jedem seine Chance bietet - und wir glücklich sind, in diesem Land leben zu dürfen.
Das Gejammer in unserem Land geht einem auch aus der Ferne unendlich auf die Nerven... Wer in unserem Land etwas anpacken oder verändern möchte, der kann das tun. Allerdings brauchen wir als Gesellschaft dabei keine Besserwisser oder Polarisierer, sondern Visionäre und Macher. An letzteren mangelt es leider allzu oft!

Vor dem Hintergrund unserer Erfahrungen in Deutschland als Deutsche machen wir uns immer wieder Gedanken darüber, was wohl die Unterschiede sind, die sich zwischen der deutschen/europäischen "Mentalität" und der "Mentalität" zum Beispiel in Argentinien oder insgesamt in Südamerika allgemein feststellen lassen..., wenn man das so pauschal überhaupt machen kann.
Wir sind vor diesem Hintergrund gespannt darauf, welche Erfahrungen und Eindrücke wir nun in Argentinien, dem lateinamerikanischen Land, das wir "am besten" kennen, machen werden und welche Antworten wir auf unsere Fragen finden werden. 

Aber zuvor noch ein kleiner, ausgewählter Einblick in unsere anderen, vielfältigen Eindrücke aus Chile: 
Die Besuche in den Häusern, in denen der weltberühmte chilenische Dichter und Denker Pablo Neruda gewohnt und gearbeitet hat, haben uns ebenso beeindruckt wie beispielsweise der Besuch der gut ausgestatteten Gedenkstätte zur Erinnerung an die Pinochet-Diktatur... oder auch die Lösung des "Pisco-Streits" zwischen Chile und Peru... "Pisco" (...für die, die es nicht kennen...) ist ein erfrischendes und abwechslungssreiches Weingetränk, über deren "Erfindung" sich die Peruaner und Chilenen herzlich streiten. In Santiago haben sie zur Lösung des Konflikts eine unabhängige, vereinigte "Pisco-Zone" (Bar/Restaurant/Freiluftbereich) gegründet und sie "ChiPeRepublica" genannt, wo man das Getränk ganz friedlich genießen kann, ohne sich zu fragen, in welchem Land es denn nun erfunden wurde - klasse Lösung...!!!


]]>
Thu, 23 Jan 2020 18:53:13 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=29
Sao Paulo http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=28


Für Sao Paulo waren zwei Tage eingeplant... oder sagen wir besser zwei Nächte. Durch die Umbuchung kamen wir erst am späten Abend an. Vom Flughafen abgeholt wurden wir von einem Freund, den ich 2012 im Rahmen eines Sprachkursus in Sydney kennengelernt habe. Obwohl Bruno mit seinen 29 Jahren locker mein Enkel sein könnte, hielten wir über die Jahre immer Kontakt und trafen uns bereits zweimal in Sao Paulo und einmal in Berlin. Er ist fasziniert von der deutsch-deutschen Geschichte, hat mir aber auch schon viel über die Geschichte seines Landes erzählt. Vor Jahren sagte er einmal, dass er gerne "stolz auf sein Land wäre", aber soziale Ungerechtigkeit, Rassismus, Homophobie und Korruption bis in die höchsten Regierungskreise dies einfach nicht zuließen. Das hat mich tief beeindruckt. Er war auch der erste, der mir über den "zu befürchtenden" neuen brasilianischen Präsidenten berichtete, wohl immer noch hoffend, dass bei der Wahl die Brasilianer vielleicht doch noch "den Dreh kriegen würden"... den Ausgang kennen wir. 

Für den kommenden Abend war ein Vortrag anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls in einer Baptisten-Gemeinde  geplant. Der Gemeinde-Pfarrer, den wir kurz nach unserer Ankunft in der Stadt kennen lernten, war sich nicht sicher, ob viele Interessierte kommen würden. Auch ich fragte mich natürlich, ob, vor dem Hintergrund massiver innenpolitischer und sozialer Kriesen, irgend jemand irgend etwas über die Innenansichten eines (vergleichsweise) Paradieses hören möchte.

Den Tag verbrachten wir in der Stadt. Die Bilder ähnelten denen Rios, nur dass die leicht-beschwingte Urlaubs-Atmosphäre  in dieser Industrie-, Banken- und Versicherungs-Metropole nicht aufkam und die sozialen Unterschiede brutaler zutage traten. Hier gab es kaum Touristen, die aus Mitleid Almosen gaben - für die Brasilianer schienen die Bilder allzu alltäglich...?! 



Der Abend war super, die Gemeindekirche gut gefüllt, das Interesse an Deutschland und seinem Weg zu einer vereinten Nation von großem Interesse. Der zeitliche Rahmen wurde deutlich überzogen. Bruno übersetzte ins brasilianische und moderierte auch die Zuschauer-Fragen. Er machte das super professionell und es hat riesigen Spaß gemacht. Im Anschluss gab es viel Zuspruch von den Gästen, vor allem aber von Brunos Familie, die war geschlossen vor Ort war. Die Begegnung war sehr herzlich. 



Mit dem Segen des Pfarrers am Abend der Veranstaltung, dem persönlichen Lift zum Flughafen durch ihn und seinen Bruder und einem guten Gefühl verließen wir am kommenden Morgen die Stadt und machten uns auf den Weg nach Santiago de Chile. Die Nachrichten, die uns zuvor aus dieser Stadt erreichten, waren alles andere als beruhigend - aber: Flug und Unterkunft waren gebucht und überhaupt fühlen wir uns inzwischen sehr krisenerprobt. Wir freuten uns!


]]>
Sat, 11 Jan 2020 18:51:14 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=28
Rio de Janeiro http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=27 Wir landeten früh am Morgen in Rio de Janeiro und bereits im Taxi spürten wir, die Klimaanlage konnte nicht gegen die hier herrschende Hitze und Luftfeuchtigkeit ankommen. Uns beunruhigte das nicht so sehr, standen an der Copacabana und in Ipanema doch uneingeschränkt freie Tage an. Natürlich schaut man sich an Plätzen, die zu den Reise-Sehnsuchtsorten der Welt gehören, besonders um. Bereits auf der Fahrt zum Hotel fuhren wir an Favelas vorbei, die selbst aus einer angemessenen Entfernung ihre Armseligkeit nicht verbergen konnten, sich aber in unmittelbarer Nähe zu recht normalen Wohnblocks befanden. Diese Bilder trafen wir auch in den Touristengegenden wieder an - unermesslicher Reichtum und schreiende Armut dicht beieinander... eigentlich keine Gegend um entspannt Urlaub zu machen, es sei denn, man kann ganz gut einen Teil des Umfeldes ausblenden. Schwierig!



Zu den Touristen Highlights gehört natürlich der Corcovado mit der Christus Statue. Vor vier Jahren habe ich den großen Fehler gemacht und bin der Einschätzung eines Lehrers der Deutschen Schule gefolgt, welcher lautete, man könne hoch laufen. Da ich keine große Lust auf Checkerei hatte und der Zugang zum Berg durch einen Garten erfolgte, der sich wiederum ganz in der Nähe meiner Unterkunft befand, machte ich mich auf den Weg. Beim Verlassen des Gartens wurde an einem Checkpoint mein Wasservorrat kontrolliert und dann mein Name mit meiner Mobil-Telefonnummer in ein Buch eingetragen, welches unter dem entsprechenden Datum wohl alle Besucher auflisten sollte, die sich an diesem Tag für den "Aufstieg" entschieden. Dass ich am frühen Nachmittag die erste und einzige Person auf dieser Seite war, hätte mir zu denken geben sollen, aber man ließ mich ziehen...

Am Anfang ging das noch alles, aber irgendwann war ich kaputt und wollte eine Pause machen. Ich stellte fest, dass immer wenn ich langsamer wurde, irgendwelche super hässlichen Affen näher kamen und wenn ich stehen blieb, sogar anfingen an meinem Rucksack zu zerren. Auf Distanz zu halten waren sie nur dann, wenn man sich bewegte. Irgendwann, ich war schon ziemlich erschöpft und meine Wasservorräte gingen zur Neige, kam ich an einen kleinen Felsvorsprung, an dem man sich mit Hilfe einer Kette hoch ziehen musste. Leider rutschte ich ab und verletzte mich am Schienbein. Irgendwie habe ich es hoch geschafft, sah dann aber, dass die unzähligen Fliegen, die sich sofort auf der Wunde am Bein tummelten, Eier abgelegt hatten. Die ließen sich nicht so einfach entfernen und ich dachte darüber nach, umzukehren. Ich war aber bereits länger unterwegs, als die Dauer des gesamten Aufstiegs prognostiziert wurde. Ich entschied mich weiter zu gehen und kam plötzlich an einen Weg, auf dem eine Zahnrad-Bahn entlang fuhr, die Besucher zur Statue brachte. Ich sehe noch heute, damals kam es mir wie eine Fatamorgana vor, die frisch geföhnten Haare der Touris im Wind fliegen und die Flip Flops an deren Füßen. Ich muss ausgesehen haben wie ein Waldschrat - verschwitzt und verkratzt.

Kurz darauf war ich am Eingang des Areals der Statue angekommen und... wurde nicht rein gelassen! Sah ich denn so Sch... aus? Nein, meine Wunde musste erst behandelt werden und dann durfte ich hinein, ich, der Super-Hero...

Na ja, vier Jahre später gehörten auch wir zu den frisch geföhnten und Flip Flops tragenden Touris, die mit der Bahn hoch fuhren. Das ist vielleicht weniger heldenhaft, aber definitiv Kräfte schonender. Ich würde es jedem empfehlen! Diesmal, oben angekommen, offenbarte sich uns ein ebenso atemberaubender Ausblick wie damals. Und auch die Affen waren wieder da ...und eigentlich sehen die gar nicht so hässlich aus!



Insgesamt war Rio auch diesmal wieder eine ambivalente Erfahrung. Arm/Reich ist das eine, wenn man sich aber vor Augen führt, wer da seit geraumer Zeit dieses riesengroße Land regiert, wird es einem - erneut - Angst und Bange!

Unsere Touristen-Highlights sind die Portugiesische Bibliothek und das Cafe Colombo. In Erinnerung bleiben uns auch die freundlichen Gesichter und die spontanen Tanzeinlagen der Brasilianer, sobald aus irgendeiner Ecke Musik ertönt. "Musik im Blut" haben, bekommt in Rio eine ganz greifbare Dimension. Und auch mit einem kulinarischen Tipp können wir aufwarten, ganz einfach und lecker "Hähnchen vom Grill"...

Dass wir Rio gen Sao Paulo zunächst mit einer Flugabsage, dann aber (und da hat uns Latam richtig super unterstützt [wäre eine geeignete Lehrstunde für Lufthansa gewesen]) auf einen etwas späteren Flug umgebucht wurden, wisst Ihr ja schon. Fünf Tage Rio waren definitiv mehr als genug - jetzt konnte was Neues kommen... und Weihnachten rückt auch immer näher...!!!



]]>
Sat, 04 Jan 2020 05:02:15 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=27
Bogota http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=26 Alles Gute zum neuen Jahr...!!!


Aber im Grunde sind wir ja (blogmäßig) noch in Cali... und reisen jetzt ein drittes Mal nach Bogota. Der Flughafen kommt uns langsam wie unser zweites Wohnzimmer vor und diesmal hat auch die Abholung familiären Charakter. Prof. Dr. Tatjana Louis, die Initiatorin der Veranstaltung am 8. November in der Universidad de Los Andes, holte uns ab und nahm uns mit nach Hause. Wir verbrachten das Wochenende mit ihr, ihren 2 Kindern, ihrem kolumbianischen Ehemann, Hund, Katze (ach nein... die nicht) und familiären Ritualen. Es war wunderbar! Wir hörten aber auch bewegende Familiengeschichten... Wir lernten das Land, die Stadt und die Menschen somit noch einmal aus ganz privater Sicht kennen. Die Ausgangssperre war inzwischen aufgehoben worden und wir konnten einen Ausflug ins Umland von Bogota unternehmen. Das hätte man vor Jahren auf keinen Fall getan, da die Gefahr von der Farc oder Paramilitärs entführt zu werden oder in die Fänge des Militärs zu geraten, stets virulent war. Auch heute ist das "noch nicht so ganz ohne", aber wir waren uns sicher, dass Tatjana uns beschützen würde. Auf diesem Ausflug erfuhren wir viel über die Geschichte, aber vor allem über die Natur und die Kultur des Landes. Der Höhepunkt war der Besuch von Guatavita, einem naturbelassenen Kratersee. Hier opferten Indigene ihren Göttern und die Konquistadoren vermuteten das legendäre Eldorado. Sie versuchten eine Wand des Kraters zu sprengen um nach Ablaufen des Wassers an das riesige Goldvorkommen zu gelangen. Das hat nicht so ganz geklappt... das Loch in der Wand ist heute noch sichtbar, der See aber ist auch noch da, na ja und der Goldschatz wahrscheinlich immer noch auf dem Grund des Sees. 



Nach drei schönen und erholsamen Tagen zogen wir noch einmal um und wohnten diesmal im historischen Zentrum der Stadt. Außer einer Uni-Veranstaltung hatten wir frei und konnten nun die Stadt auf eigene Faust erkunden. Wir besuchten das Botero-Museum und das Goldmuseum und schlenderten bei sommerlichen Temperaturen durch die Gegend. 



Uns fielen sowohl die immense Polizeipräsenz in der Stadt auf, als auch die Schutzwände und -vorrichtungen vor den Gebäuden. Es war unschwer zu erkennen, dass die nächste Ausschreitung erwartet wurde. 


Geschichte und Gegenwart liegen wie immer dicht beieinander und so haben wir auch die Gedenkstätte "Centro de la Memoria, Paz y de la Reconciliacion" besucht - waren allerdings sehr enttäuscht davon, denn das Hauptgebäude war ein leerer Cubus. Aber vielleicht ist das ja gerade auch das "Programm"... der Cubus muss noch mit Erinnerung gefüllt werden... bietet aber tatsächlich keinen Platz dafür! Ansprechpartner zur Klärung dieser Fragen oder Hinweise dazu konnten wir leider nicht finden.

Von dieser enttäuschenden Erfahrung haben wir uns allerdings erholt und haben den Weihnachtsmarkt der deutschen Gemeinde in San Mateo besucht, wo wir auch schon bei unserem ersten Besuch in Bogota überaus freundlich von der Pfarrerin Christhild Grafe und ihrem Ehemann empfangen wurden.


Wir fühlten uns zu keinem Zeitpunkt unsicher in Bogota und verließen die Stadt mit dem Gefühl, viel über Land und Leute kennengelernt zu haben... aber bei weitem noch nicht genug, so dass wir planen zurückzukommen, sobald sich die Gelegenheit dazu ergibt. Alle unsere Ansprechpartner/innen samt Botschaft sind bereits "vorgewarnt"...


Nun wartet der Hochsommer in Rio de Janeiro auf uns...

]]>
Wed, 01 Jan 2020 21:05:50 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=26
Buenos Aires - El Calafate http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=25 Ihr Lieben, bevor es mit dem Blog weiter geht (von Cali ging es ein drittes Mal nach Bogota...) möchten wir Euch vom Flughafen auf dem Weg von Buenos Aires nach El Calafat (Patagonien) alles Gute zum neuen Jahr wünschen. Rutscht gut rein und beleibt gesund. Viele Grüße von unterwegs, Harald und Peter

]]>
Fri, 27 Dec 2019 02:18:05 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=25
Cali http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=24

Aus West Palm Beach sind wir gut erholt abgereist und der" permanenten" Gefahr, durch Alligatoren schlicht aus unserem ereignisreichen Leben gerissen zu werden, konnten wir trotzen. Jetzt wartete Cali auf uns. Ein Besuch der Deutschen Schule stand auf dem Programm und der Einsatz unserer frisch erlernten Spanisch-Kenntnisse. Dazu ist zu erklären, dass wir vergangenen Sommer begonnen haben spanisch zu lernen. Es ist mitunter einfach schwierig, sich in Lateinamerika mit englisch "über Wasser zu halten" und wir sind so häufig im spanisch-sprechenden Raum unterwegs, dass "Nägel mit Köppen" angebracht schienen. Unsere Spanisch-Lehrerein Pilar ist eine temperamentvolle Kolumbianerin und brachte zur zweiten Unterrichtsstunde bereits ihre Schwester und deren Tochter, die zu Besuch aus Cali in Essen waren, mit. Das war eine fröhliche Runde. Alle zusammen trafen wir uns kurz darauf in Berlin zu einem wahren Gedenkstätten-Marathon und als Dankeschön gab's eine Einladung nach Cali. Soweit so gut, aber Cali stand weder auf unserem Reise-Programm, noch ist die Stadt unkompliziert zu erreichen und zu allem war Bogota terminlich ziemlich angefüllt. Aber man konnte ja trotzdem mal darüber nachdenken...


Die Botschaft erklärte sich bereit, einen Besuch der deutschen Schule in Cali zu unterstützen, die Schule selbst hatte großes Interesse und somit konnten wir auch der Einladung "unserer Kolumbianerinnen" folgen. Die Freude darüber war groß, sie holten uns vom Flughafen ab und brachten uns zum Hotel. Auf dem Weg dorthin wurden wir mit dem eigens für uns ausgearbeiteten privaten Besucherprogramms vertraut gemacht. Das war schon ein verheißungsvoller Start in das Cali-Abenteuer. 


Aber zunächst ging es an die Pflichterfüllung. 9.30 Uhr wurde ich an der Schule erwartet und die Fahrt vom Hotel dorthin war mit 30 Minuten angegeben. Der Hotelier empfahl 6.00 Uhr loszufahren, da ab spätestens 7.00 der Streik losgehen würde und dann nichts mehr ginge. Ich konnte ihn überreden, das Taxi für 6.30 zu bestellen und wir waren 7.00 Uhr in der Schule. So früh war ich noch bei keinem Termin vor Ort. Es erwies sich aber durchaus als vorteilhaft. Die Streiks in Kolumbien legenden ganzen öffentlichen Verkehr lahm. Es wurde sogar eine Ausgangssperre verhängt, da in der Vergangenheit die Gewalt militanter Demonstranten, die nichts mit den berechtigten und friedlichen Protesten zu tun haben, einen unermesslichen Schaden anrichteten. Von dieser Maßnahme wurde zuletzt in den 70er Jahren Gebrauch gemacht - in den Hochzeiten des Bürgerkrieges und der Auseinandersetzungen zwischen Farc, Paramilitärs und staatlichem Militär, welche unermessliches Leid über die kolumbianische Bevölkerung brachten und ein bis heute nicht überwundenes nationales Trauma darstellt, was letztlich den sehr hoffnungsvoll in Gang gekommene Friedensprozess fragil macht. Also die Streiks, denen in Bogota zwei Menschen zum Opfer fielen, sind nicht zu unterschätzen. Wir haben sie während unseres Kolumbienaufenthalts nicht unmittelbar erlebt. Das sollte sich spätestens in Chile ändern...


Dennoch war es gut, so früh an der Schule zu sein, denn ab 7.00 Uhr ging nichts mehr. Die Zeit bis zum Beginn meiner beiden Veranstaltungen wurde damit überbrückt, dass wir zunächst zum Frühstück eingeladen wurden, eine Führung durch die Schule bekamen und uns mit den beiden am Projekt beteiligten deutschen Lehrern sowie dem Interimsschulleiter (die Schule ist seit geraumer Zeit "führungslos") über die Situation in Kolumbien und die Rolle der deutschen Schule austauschten. Das war höchst aufschlussreich. So war zu erfahren, dass ein Verlassen der Stadt auf dem Landweg immer noch keineswegs ungefährlich ist, da sich militante Gruppierungen (Absplitterungen der Farc, der Paramilitärs und anderer einflussreicher „Gruppierungen“) nach wie vor staatlicher Kontrolle entziehen und auch Entführungen passieren können. Nun, wir hatten nicht vor Cali zu verlassen. Dennoch trifft es eine Aussage über die Sicherheitslage in diesem Land.



Dann ging es in die Schulklassen, zwei Veranstaltungen mit Schülern der 10. und 12. Klassen. So engagiert, wie die verantwortliche Lehrerein Frau Beuvink und deren Kollegen waren, so engagiert waren auch Ihre Schüler. Es fand ein reger Austausch über Gesellschaft,Weltpolitik und Gesellschaftsordnungen statt, na ja und es kam eben auch die Einschätzung der Schüler zum Ausdruck, dass Demokratie weltweit an ihre Grenzen kommt und der Kapitalismus/Neoliberalismus zu viel Ungerechtigkeit zutage fördert und vielleicht andere Modelle kommen müssen. In einem demokratischen Land wie Kolumbien,welches in eklatantem Maße von Ungerechtigkeit und Arm-Reich-Dichotomie geprägt ist, eine nicht unnnachvollziehbare Einschätzung…



In der Schule wurden Harald und ich wie Staatsgäste behandelt und der Abschluss war ein wunderbares Mittagessen. Ich sehe noch die vier Lehrer bei der Verabschiedung am Auto stehen,die uns beim Verlassen der Schule freundlich nachwinkten. Das war sehr berührend und hat diesen Schulbesuch zu einem unvergesslichen gemacht. Er stimmte uns aber durchaus auch nachdenklich.


Dann war das Erkunden der Stadt dran. Unsere beiden Begleiterinnen, Sandra und Maria Paula, gaben sich alle Mühe uns einen Einblick in das Stadtleben zu geben. Wir schlenderten über Märkte, die eine unermessliche Fülle frischer Produkte, vor allem Obst und Gemüse (in Kolumbien gedeiht wegen des gemäßigten und gleichbleibenden Klimas so ziemlich alles),offenbarten. Wir lernten das wunderbare kolumbianische Essen kennen und hörten Salsamusik. Wir erfuhren, dass Cali die Stadt des Salsa ist – dem Vernehmen nach wurde der Tanz sogar dort erfunden.




Paula Maria ist eine 16jährige Schülerin und sie erklärte uns noch einmal aus ihrer Sicht die Situation in Kolumbien. Dazu  nahm sie uns in ein Museum für kolumbianische Geschichte mit, in dem Fotos vom Bürgerkrieg zu sehen waren. Allein die Kraft der Bilder hinterließ einen tiefen Eindruck und machte deutlich, wie sehr die kolumbianische Bevölkerung unter dem jahrzehntelangen Konflikt gelitten hat und noch leidet, denn die tausenden Entführten kehrten größtenteils nicht mehr in ihre Familien zurück, von der Zahl der Todesopfer ganz zu schweigen.



Salsa und Bürgerkrieg – eine ambivalente Mischung… das wird noch dadurch gesteigert, dass man zahllose venezuelanische Flüchtlinge auf den Straßen sieht, die dort vom Betteln leben. Vor diesem Hintergrund sehe ich in unserem Land immer weniger Grund zur Klage. Die Kolumbianer zeigen ein Höchstmaß an Verständnis und Aufnahmebereitschaft, auch wenn der Staat nicht viel tun kann bzw. tut…


]]>
Thu, 26 Dec 2019 04:13:06 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=24
Washington - Virginia - West Palm Beach http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=23 Mit vielen unvergesslichen Eindrücken verließen wir am 17. November Boston und flogen nach Washington. Dort waren wir zwei Tage bei einem Paar zu Gast, die eine Produktionsfirma betreiben und seit Anfang des Jahres an einem Dokumentarfilm über Geheimdienste und deren Überwachungsmechanismen  arbeiten. Ich habe sie über das Jahr hinweg zu verschiedenen Gedenkstätten und Museen begleitet, die das DDR-Überwachungsregime reflektieren, habe Interviews mit Protagonisten der "DDR-Aufarbeitungs-Szene", aber auch mit Stasi-IM´s sowie hochrangigen Vertretern dieser Behörde geführt. Zu allem Überfluss haben wir auch noch Erfahrungen mit PEGIDA gemacht. Alles super spannend, aber auch emotional und physisch verdammt fordernd und letzteres niederschmetternd.



Mit Jamie und Gabe bin ich darüber zusammengewachsen und es ist eine echte Freundschaft entstanden. In Washington wurde weiter gedreht, es gab aber auch die Gelegenheit für ganz private Unternehmungen. So fuhren wir zum Capitol, wo gerade über das Impeachment beraten wurde - ist schon verrückt so dicht an einem Ort zu sein, wo hochrangige Politiker darüber befinden, wie mit einem Verrückten umzugehen ist und die ganze Welt mit Spannung zusieht...???!!! - haben gemeinsam gekocht und Tennis gespielt. Das war irgendwie sehr schön. Auf den Dokumentarfilm, der 2021 auf Netflix zu sehen sein wird (zu sehen sein soll - ich hoffe, das wird kein "Hajali-Ding") bin ich super gespannt.




Am 19. hieß es wieder Sachen packen und nach einem gemeinsamen Lunch sollten wir zum Bahnhof gebracht werden. Das erfuhren wir aber erst nach dem Lunch. Jamie verließ uns kurz zuvor um einen Termin wahr zu nehmen... na ja, und mit ihr verließen uns auch unser Gepäck und zwar in die entgegengesetzte Richtung des Bahnhofes. Das Resultat: Zug verpasst, mitten in der Nacht in Virginia Beach angekommen, kurzer Schlaf, frühmorgens Job...


Die Wesleyan University in Virginia Beach ist eine moderne Universität, erbaut in den 70ern, die über bemerkenswerte Ressourcen verfügt - Gebäude, Equipment, Bibliotheken usw. - eine Elite-Universität sozusagen. Im Rahmen von drei Veranstaltungen hatte ich aber sehr wohl das Gefühl, dass die Studenten sich ihrer privilegierten Situation bewusst sind. Sie haben sich über den Besuch aus Deutschland gefreut, waren bestens vorbereitet und haben interessierte, aber auch interessante Fragen gestellt. Nirgens sonst in den USA bin ich so explizit nach meiner Meinung zu Trump gefragt worden... na ja, ich bin ja kein Diplomat und, so gab ich auch zu verstehen, befinden wir uns auf amerikanischem Boden ja wohl "immer noch" in einer Demokratie... dennoch antwortete ich diplomatisch - vor Trump war alles (mal mehr mal weniger, aber durchgängig) besser! Passt doch oder? … die Reaktionen waren eine Mischung aus Zustimmung und Amüsement.



Zeit, ein wenig Stadt und Küstenregion kennenzulernen blieb auch, dank der perfekten Organisation und herzlichen Begleitung unserer Gastgeberin Prof. Dr. Antje Schwennicke, Ihrem Mann und Ihrer Kollegin Kathleen Casey. Der Aufenthalt in Virginia Beach war rundherum Klasse...! ! ! 



Danach machten wir uns auf nach West Palm Beach, wo Haralds Tante, Sommerwetter, Trumps (mittlerweile) Hauptwohnort und Aligatoren auf uns warteten. Mit Haralds Tante verbrachten wir eine schöne Zeit, das Sommerwetter machte den Aufenthalt angenehm, Alligatoren blieben unsichtbar und Trump zog es vor, seinen Truppen in Afghanistan einen Besuch abzustatten - perfect timing…







]]>
Sun, 22 Dec 2019 04:41:15 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=23
Nachtrag Boston http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=22 Also, wir wurden auf einen anderen Flug umgebucht... (kein neues "Lufthansa-Chaos").



Zurück nach Boston... am Abend des 14. November fand die Gedenkveranstaltung des Deutschen Konsulats zum 29. Jahrestag der Wiedervereinigung statt. Geladen waren Diplomaten, Repräsentanten verschiedener Stiftungen und Gesellschaften sowie Vertreter aus Industrie und Wirtschaft. Eröffnet wurde der Abend mit einer Ansprache von Generalkonsulin Nicole Menzenbach, im Anschluss referierte Liz von Wagner, Kulturreferentin des Konsulats, über die deutsch-amerikanischen Beziehungen - alles "tacco"… - und danach war ich, mit einem Vortrag zu meinen persönlichen Erfahrungen mit der SED-Diktatur und deren Nachwirkungen bis heute, dran. 12 Minuten (max. 15) waren dazu vorgesehen. Das war schon eine Herausforderung, denn wenn ich erst einmal loslege... nach 14 Minuten und 25 Sekunden war ich fertig und das Publikum (so zumindest würde ich dessen Reaktion deuten) "enthusiastic". Im Anschluss waren noch Stimmen aus Industrie und Wirtschaft zu hören - auch da alles wunderbar, Handelskrieg und amerikanische Sanktionspolitik wurden nicht erwähnt - und dann gab`s Essen.



Wie so häufig fanden im Anschluss an den offiziellen Teil der Veranstaltung die wirklich spannenden Gespräche statt. Da blitzten dann auch  schon einmal kritische Aspekte auf. Aber alles in allem s(w)ollte der eher unbeschwerte Charakter der Veranstaltung weiter getragen werden und irgendwie ist das doch auch mal ganz schön - die Zeiten in denen wir uns befinden, machen das mitunter gar nicht so leicht...

 

Wir werden in den "Ferien", mit etwas mehr Zeit, auch mal auf die inhaltlichen Aspekte der Gespräche und Erfahrungen insgesamt eingehen.


Der Abend nahm noch eine interessante Wendung. Zurück ins Hotel zurück brachte uns eine Mitarbeiterin des Goetheinstituts mit deren Mann, der wiederum, was sich in der regen Unterhaltung im Auto herausstellte, Bruder des (inzwischen zurückgezogenen, da: kein "Millionär") demokratischen Präsidentschaftsanwärters John Hickenlooper, ist. Crazy world, isn´t it?


An den kommenden Tagen stand noch der Besuch von insgesamt drei Schulen, zwei deutschen und einer amerikanischen, an. Auch da fanden zahlreiche spannende Begegnungen und Gespräche statt. Jugendliche und Lehrer, die keinen so "hinderlichen" diplomatischen Beschränkungen unterliegen, äußern sich eben doch offener, vor allem aber verständlicher und oftmals sehr erfrischend.



Ich glaube, Boston war ein voller Erfolg. Dennoch waren wir froh, nach vier Tagen diesen Kühlschrank verlassen zu können und ins mildere Washington zu fliegen, wo immerhin Plus-Grade auf uns warteten.



]]>
Fri, 13 Dec 2019 16:47:18 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=22
Boston http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=21 Boston erreichten wir nach einer Zwischenlandung in Houston. Der amerikanischen Ton bei Einreisen in die USA ist ja quasi "legendär"... diesmal wurden wir wie Vieh durch die Gepäckkontrolle getrieben (mit Megaphone) - just horrible! Da muss man durch und es ist ja auch überhaupt nicht von Belang, so ein Gefühl von Willkommmenskultur in einem fremden Land?!


In Boston wurden wir von der Generalkonsulin persönlich vom Flughafen abgeholt und zur Lagebesprechung ins Konsulat gefahren. Wir besprachen die Veranstaltung des Konsulats zum Jahresgedenken an die deutsche Wiedervereinigung, die am 14. November stattfinden sollte. Natürlich wurde auch auf die aktuelle Situation in den USA mit ihrem "Super-Hero-Präsidenten", dem gerade "schreindstes Unrecht" widerfährt, eingegangen. Boston scheint so etwas wie eine Anti-Trump-Hochburg zu sein. Irgendwie habe ich im Rahmen meiner Arbeit mit amerikanischen Studenten in Berlin ohnehin das Gefühl , dass es Trump-Befürworter schlicht nicht gibt. 


Der Abend war frei und der Sonnenschein in Boston lud zu einem Spaziergang ein - der Verlust von 25 Grad aber (22 in Bogota / -3 in Boston) ließ uns von diesem Plan Abstand nehmen und den Kamin in der Hotellobby in den Focus rücken, vor dem wir einpennten.


Am Vormittag des 14. Dezember war ich zu einem Vortrag an die Brandeis University eingeladen. Diese Universität ist eine jüdische Hochschule und an dieser findet jedes Jahr eine Gedenkveranstaltung zum Jahrestag des Reichsprogroms von 1938 statt. Vor zwei Jahren habe ich diese Gedenkveranstaltung besucht und es entstand die Idee, mal die deutsche Sicht auf ein Jahresgedenken mit (mindestens) zwei Gesichtern zu lenken. Damals war die Brisanz dieser Betrachtung mit Blick auf wachsenden Rechtspopulismus und zunehmenden Antisemitismus in unserem Land noch gar nicht so absehbar. So war die Veranstaltung sehr gut besucht und die Fragen der Anwesenden machten vor allem das Interesse am heutigen Deutschland mit den aktuellen Entwicklungen deutlich. Der Dialog war spannend und aufschlussreich.



Für den Moment muss ich Schluss machen, wir müssen jetzt was regeln - unser Flug von Rio de Janeiro nach Sao Paulo wurde gerade gestrichen! Wir sitzen hier mit Blick auf die Christus-Statue, die auch gerade in den Wolken verschwindet. Schlechtes Ohmen?




]]>
Sun, 08 Dec 2019 20:00:34 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=21
Caracas - Bogota - Boston http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=20 Zurück in Bogota stand am 12.11. der Besuch der Deutschen Schule und ein Vortrag in der Deutschen Gemeinde San Mateo an. Deutsch-deutsche Themen sind hier von großem Interesse. Bogota selbst wirkte, nach den drei Tagen in Caracas, wie eine völlig normale Stadt - man konnte fast vergessen, dass auch hier Sicherheitslage problematisch ist...


Am Abend hieß es bereits wieder Sachen packen. Der Flieger in die USA wartete auf uns. Der Fahrdienst, der uns knapp vier Tage zuvor zum Flughafen brachte um uns knapp drei Tage später wieder abzuholen, sah wohl (wie wir selbst auch langsam) nicht mehr durch und stand erneut am Flughafen. Wir mussten kurzerhand und mitten in der Nacht ein Taxi rufen. Das kam dann auch, drohte aber bei wolkenbruchartigem Regen und überfluteten Straßen steckenzubleiben... Immer dann, wenn das was wir da durchqueren mussten eher wie ein See als eine Straße aussah und mächtig Gas erforderlich war um da durch zu kommen, dachten wir "das war's". Aber unser Taxifahrer kam durch und brachte uns pünktlich zum Flughafen.


Das FBI pickt sich bei Flügen aus Lateinamerika in die USA stichpunktartig Passagiere vor dem Besteigen der Flieger heraus, die sich dann eine Leibesvisite gefallen lassen müssen. Diesmal hat es Harald erwischt... Warten im Durchzug und Einsteigen kurz vor Abflug - "America first" warf seine Schatten voraus.


Immerhin konnten wir der Einladung des Deutschen Konsulats nachkommen, welches mich als Gastredner zu den Feierlichkeiten anlässlich des 29. Jahrestages der Deutschen Wiedervereinigung nach Boston einlud. Die Vorfreude war groß!

]]>
Sun, 08 Dec 2019 05:05:38 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=20
Caracas http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=19 Der Botschafter holte uns vom Flughafen ab - mit einem gepanzerten, bombengesicherten Wagen... die Fahrt vom Flughafen in die Stadt ist selbst für Venezuelaner stets der gefährlichste Teil einer Reise nach Caracas.


Auf dem Weg zum Hotel gab Botschafter Kriener Einblicke in die jüngere Geschichte des Landes. Am Abend folgten wir der Einladung des Goetheinstituts und trafen auf Künstler und Kulturschaffende der Stadt. Es kam zu einem regen und spannenden Gedankenaustausch, der aber bereits die problematische Lage in Venezuela deutlich machte. Die Chance, so dicht an Menschen heran zu kommen, die tagtäglich ihr (Berufs-) Leben unter derart schwierigen Bedingungen meistern müssen, ist von unschätzbarem Wert und verschafft Einblicke in eine Region, die uns und den meisten nur aus den Medien bekannt war/ist.


Am darauffolgenden Vormittag fand dann die Gedenkveranstaltung zum 30. Jahrestag des Mauerfalls im Centro Cultural de Chacao statt. Die 500 Plätze waren fast vollständig belegt. Davon ging die Botschaft im Vorfeld nicht unbedingt aus und war von dem großen Interesse sichtlich überrascht. Nach einer Begrüßungsrede von Daniel Kriener und dem Bürgermeister von Caracas/Chacao war ich dran... mit einem 45minütigem Vortrag zur Situation in Deutschland 30 Jahre nach dem Fall der Mauer vor dem Hintergrund meiner eigenen Erfahrungen mit der SED-Diktatur. Anschließend fand eine Podiumsdiskussion statt. Von den Fragen und der überwältigenden Reaktion der Gäste war ich sehr berührt. Bei dem anschließend sattfindenden Empfang hatte ich die Gelegenheit einige der Gäste kennenzulernen und interessante Gespräche zu führen u.a. mit Vertretern verschiedener Stiftungen, Botschaftern (jetzt habe ich auch eine Einladung nach Südafrika), Vertretern der jüdischen Gemeinde und des Forschungszentrums Yad Vashem sowie Professoren und Studenten verschiedener Universitäten des Landes. Der Austausch war aber nicht nur von Interesse, sondern auch von großer Wertschätzung geprägt. Nicht viele Besucher bereisen derzeit das krisengeschüttelte Land.



Den freien Sonntag-Nachmittag zu einem Spaziergang in die Stadt zu nutzen war undenkbar. Selbst kürzeste Distanzen wurden mit dem Wagen der Botschaft zurückgelegt. Herr Kriener lud uns aber zu einem Ausflug auf eine (bewachte) Hacienda zum Besuch einer Ausstellung anlässlich des Humboldt-Jahres und zu einem kurzen Gang in einen öffentlichen Park ein. Das vermittelte immerhin einen Eindruck vom gesellschaftlichen (Sonntags-) Leben in der Stadt.


Am nächsten Tag stand der Besuch der Universidad Catolica auf dem Plan, einer Elite-Bildungseinrichtung hinter Zäunen und Stacheldraht. Hier fließen Fördermittel aus der EU und Deutschland ein und fallen erfreulicherweise auf fruchtbaren Boden. Auch da war der Andrang groß. Botschafter Kriener, Harald und ich trugen zur deutschen Nachkriegsgeschichte im Kontext des Kalten Krieges, zu Aspekten der Übergangsjustiz/Mediation und zur Wiedervereinigung sowie dem Zusammenwachsen Deutschlands nach 40jähriger Teilung vor. Die anschließende Pressekonferenz machte einmal mehr das Interesse an diesen Themen deutlich.


Am Nachmittag verließen wir Venezuela Richtung Kolumbien... ganz unkompliziert. Es bleiben einzigartige und unvergessliche Begegnungen, Gespräche und Eindrücke, die uns nachhaltig beschäftigen und uns später einholen werden.


Ein Zeitungsartikel (spanisch - mit Google ins deutsch übersetzten...) und ein paar Bilder können hoffentlich ein paar Eindrücke vermitteln.

]]>
Thu, 05 Dec 2019 13:22:50 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=19
Bogota - Caracas http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=18 Nachdem wir trotz "holpriger Anreise" dann doch gut in unserer Unterkunft in Bogota angekommen sind und nach einigen Stunden Schlaf ausgeruht die Veranstaltung an der Universidad de Los Andes anlässlich des 30. Jahrestages des Mauerfalls meistern konnten, hieß es am Abend dann schon wieder Sachen packen. 3.00 Uhr in der Früh wartete der Wagen zum Flughafen auf uns,. 6.00 Uhr - am 9. November - ging der Flieger nach Caracas. Die Anfrage aus Venezuela, anlässlich der Feierlichkeiten zum Mauerfalljubiläum einen Vortrag zu halten, kam völlig überraschend zum Ende der Sommerferien und war überaus vorsichtig formuliert... "...könnten Sie sich vorstellen... trotz der problematischen Sicherheitslage... wir versprechen alles zu Ihrer Sicherheit notwendige zu tun..." - persönlich geschrieben von Botschafter Kriener. Ich habe nicht weiter nachgedacht und "Jaaaaa…" geantwortet. Zeit, das mit Harald abzusprechen blieb (irgendwie;-) nicht - der musste mit...


Die Vorgeschichte der geplanten Festveranstaltung, organisiert durch die Deutsche Botschaft, liegt in den Unruhen und Demonstrationen rund um die Auseinandersetzung um die rechtmäßige  Präsidentschaft Anfang des Jahres und die eklatant schlechte Versorgungslage im Land. Die Deutsche Botschaft, allen voran Daniel Kriener, positionierte sich "engagiert" für Juan Guido, was zur Ausweisung des Botschafters durch die venezuelanische Regierung unter Nikolas Maduro führte. Seit August ist Botschafter Kriener wieder an seinem Amtssitz in Caracas und plante mit der Festveranstaltung zum 9. November ein Zeichen zu setzen. Die Möglichkeit dabei mitwirken zu dürfen, bedeutete eine große Ehre für mich und nun stand die Ankunft in Caracas unmittelbar bevor.


Da letzte Mal, dass ich so aufgeregt einer Einreise in ein fremdes Land entgegen sah, geschah ziemlich genau vier Jahre zuvor bei der Eineise nach Nord-Korea. Aber während damals alles reibungslos verlief (aufwendige Kontrollen waren einkalkuliert), wurde uns in Caracas die Einreise verweigert. Wir wurden beide, unabhängig voneinander, nach unserem Reise-"Endziel" gefragt. 19. April 2020 ohne gültiges Ticket für dieses Datum, rief den Sicherheits-Supervisor auf den Plan. Zuerst wurden unsere Pässe eingezogen - da rutscht einem schon das Herz in die Hose - dann mussten wir aus der Reihe raus und warten. Nach etwa einer halben Stunde kam ein Beamter der Grenzpolizei auf uns zu und fragte nach dem Ausreisestempel aus Deutschland. Dass wir keinen Stempel benötigen, um unser Land zu verlassen, ließ ihn zu einem ungläubigen Lächeln hinreißen und er bemerkte, dass das nicht sein könne und wir außerdem den Einreisestempel nach Bogota, zwei Tage zuvor, gefälscht hätten - das wirkte nun gar nicht beruhigend auf die angespannte Situation.


Dem durchaus respekteinflößenden Mann fielen die zahlreichen Stempel in unseren Reisepässen auf und er fragte, welches war das aufregendste Land, welches wir bisher bereist hätten. wir antworteten, dass wir gerne abwarten würden . vielleicht würde es ja Venezuela. Er lachte, 10 Minuten später knallte der Stempel und wir durften die inzwischen leer gewordene Ankunftshalle verlassen und einreisen...


]]>
Fri, 29 Nov 2019 23:17:52 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=18
In 2 X 80 Tagen um die Welt // Harald + Peter http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=17 25. November 2019


Heute ist bereits Tag 18 unserer Weltreise - und wir haben gestern nochmal hier und da den Start unseres Blogs angekündigt... damit wir es auch tatsächlich tun! In Deutschland ist es gerade 3.00 Uhr morgens und hier in West Palm Beach 9.00 Uhr am Abend.


Dass wir so lange nichts von uns hören ließen, liegt einfach an der Dichte des Programms bisher und den vielen kleinen und großen Hindernissen, die es zu überwinden galt...


Angefangen werden soll dabei bereits mit dem 7. November, dem Tag vor unserer Abreise. Ich, Peter, war am Morgen dieses Tages noch in Berlin zu einem Interview, welches Tom Brokaw von der NBCUniversal für das amerikanische Fernsehen durchgeführt hat. Gott sei Dank war es nur kurz, denn ich dachte die ganze Zeit daran, dass ich langsam mal nach Essen kommen müsste, um für ein halbes Jahr zu packen - und am Abend stand noch eine Podiumsdiskussion in Moers an. Naja, und dann wollte ich natürlich gerne die Sendung von Dunja Hayali am späten Abend schauen, für die ich kurzfristig am 1.11. extra nach Dresden "eingeflogen wurde" und fünf Stunden Dreh draußen bei zwei Grad über mich ergehen lassen musste, um dann ziemlich kaputt am gleichen Abend nach Essen zurück zu kommen. Ich war echt gespannt, was der Regisseur - ein supersympathischer junger Mann - aus diesen 5 Stunden gemacht hat, denn es entstand lediglich ein etwa 5-minütiger Kurzfilm...


Auf der Zugfahrt von Berlin nach Essen erhielten wir die Aufforderung, uns für den Flug von Düsseldorf nach Bogota am 8.11.um 10.35 Uhr einzuchecken, was wir umgehend getan haben. Wenige Sekunden später dann die Hiobsbotschaft... Lufthansa-Streik, Flug gecancelt, sollen umbuchen. Innerhalb kürzester Zeit explodierten die Flugpreise bei den anderen Airlines und wir waren unter Druck, wurden wir doch am Abend des 8.11. in Bogota erwartet. Es konnte tatsächlich ein passender Flug gefunden werden. Aber leider konnten auf diesen nicht umgebucht werden, da wir für den anderen Flug eingecheckt waren - verrückt was?! Langer Rede, kurzer Sinn, niemand konnte uns da auschecken und das blieb auch die bittere Erkenntnis nach satten 10 Stunden harten Ringens um eine Lösung. Wir haben uns dann kurzer Hand entschlossen Lufthansa von der Suche nach einer Lösung zu "entbinden" (ehrlich gesagt bin ich irgendwann explodiert). Wir sahen schon alle Fälle schwimmen, fanden dann aber plötzlich doch noch einen passenden Flug bei einer anderen Fluggesellschaft und konnten einen Flug über Bilbao und Madrid nach Bogota buchen.


Die Uhr zeigte zu diesem Zeitpunkt 22.25 Uhr … noch 9 Stunden und 35 Minuten bis zum Flughafentransfer. Es war noch nichts gepackt und wir fühlten uns wie nach einem Marathon. Dennoch wollten wir die Sendung kurz schauen. In der Zwischenzeit habe ich noch gefühlt tausende Anrufe bekommen und erledigt... und einer davon war von dem Regisseur der Dunja-Halali-Sendung, der mir versucht hat, klar zu machen, dass der Beitrag nicht gezeigt werden könnte, da kurzfristig Katarina Witt ihr Erscheinen in der Sendung angekündigt hat und nun "die Zeit zu knapp sei". Ich konnte es kaum glauben - da haben 4 Leute einen ganzen Tag gedreht, damit dann nichts davon ausgestrahlt wird?! Was für eine Verschwendung an Manpower und welch' ein eklatanter Mangel an Wertschätzung! Wer die Sendung gesehen hat, wird vielleicht festgestellt haben, dass die Opfer de

r DDR-Diktatur erschreckend unterrepräsentiert, die Verfechter der "Anti-Unrechtsstaat-Debatte" aber um so stärker vertreten waren. Für mich, gerade vor dem Hintergrund der aktuellen Ost-West-Debatte, ein beängstigendes Signal.


Na ja, wir waren ernüchtert, irgendwie wach und konnten ganz gut packen. Dann, kurz Augen zu und 8.00 Uhr ab zum Flughafen. Ankunft Bogota um 22,00 Uhr Ortszeit des gleichen Abends. Die erste Hürde war genommen. Das Abenteuer konnte beginnen...

Morgen geht's weiter, auch mit Bildern. Meldet Euch recht rege - wir vermissen Euch! Harald und Peter


26. November 2019


Nachfolgend haben wir Fotos der ersten vierzig Stunden eingefügt: Vom Abflug bis zur ersten Lecture von Peter bei der Universidad de los Andes, an der auch Harald später noch einen Vortrag halten wird.



(Vielleicht...) Morgen geht's weiter, auch mit Bildern. Meldet Euch recht rege - wir vermissen Euch! Harald und Peter



]]>
Fri, 08 Nov 2019 08:09:15 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=17
Blog von 2017 "In 80 Tagen um die Welt" http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=16 Kann es sein, dass die Woche schon wieder vorüber ist und mein Versprechen, "ich berichte am Montag über Delhi" auf diese Weise unverhoffte Aktualität bekommt?


Nun ja, es ist schwierig nach so einer Reise zu Hause anzukommen und sich der Alltagsroutine sogleich zu stellen. Nordkorea lässt mich nicht los und Delhi hat mich im wahrsten Sinne des Wortes krank gemacht. Allein die Ankunft in dieser "Mega-City" war hart. Zuerst musste ich mich dem Überfall zahlloser Taxifahrer erwehren, die mir alle irgendwelche Preise für eine Fahrt in die Stadt entgegenriefen und dann, nachdem ich mich für ein Taxi "entschieden" hatte, folgte die schwierige Einfahrt in eine "Gated Community". In dieser sollte für die nächsten 4 Tage mein "Zu Hause" sein - in einer heilen Welt hinter Stacheldraht. Den kompletten ersten Tag verbrachte ich dort und der Besuch an der deutschen Schule am zweiten Tag konnte nicht stattfinden. Ich weiß bis heute nicht so richtig warum... angeblich fand ein Anschlag auf das Stadtparlament von Delhi statt und das hat wohl einige Sicherheitslücken offenbart. Beruhigend war das alles nicht und so wartete ich, bis auf einen Ausflug zum berühmten Taj Mahal, auf meine Heimreise. Ich war aber auch "durch", nicht mehr aufnahmefähig und empfand Delhi als Kulturschock...


Ich bin froh wieder in Deutschland zu sein, einem Land mit vergleichsweise verlässlichen Strukturen, in dem Rechtssicherheit besteht, Polizei und Regierung (nach meiner Auffassung) doch irgendwie für seine Bürger da sind, Korruption nicht den Alltag lähmt, ich nicht (?!) bewacht oder bespitzelt werde und Träume lebbar sind.


Diese Reise hat mich und mein Pläne für die Zukunft verändert.


Jetzt arbeite ich an einem Reisebericht und werde an einem der kommenden Sonntage zum Gedankenaustausch einladen...

 




]]>
Sun, 06 Dec 2015 20:27:24 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=16
Von Delhi nach Dinslaken http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=15 Nur so viel...

Ich bin auf dem Weg vom Flughafen zur Tanzschule.

Einen Bericht über die vergangenen Tage und ein Fazit zu meiner Reise verfasse ich morgen. Ich freue mich, wieder in Deutschland zu sein.

Bis bald.

Peter

]]>
Sun, 29 Nov 2015 17:29:01 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=15
Von Delhi noch einmal zurück nach Nordkorea http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=14 ...aber glücklicherweise nur auf dem Papier!


Vor einer Woche war ich gemeinsam mit einem Freund noch dort und an diesem zweiten Tag unseres Aufenthaltes kippte wohl auch meine Stimmung ganz gewaltig... aber der Reihe nach.


Die Idee Nordkorea zu bereisen kam 2012, als ich im Rahmen eines Besuchs der Deutschen Botschaft in Seoul eine Stippvisite an die DMZ (demilitarisierte Zone) unternahm und dabei an mehreren Stellen nach Nordkorea rüber schauen konnte. Die Scheidestelle zwischen beiden koreanischen Staaten ist gewiss die Demarkationslinie in Panmunjom, an welcher der ganze Wahnsinn der Teilung deutlich wird. In einer die Demarkationslinie kreuzenden blauen UNO-Baracke wurde 1953 der Waffenstillstand zwischen beiden koreanischen Staaten geschlossen, nicht aber der Krieg beendet. Und wie es sich für einen gehört der schon einmal an einer Grenze stand und nicht rüber durfte, arbeitete ich an dem Plan rüber zu kommen. Lebensgefährlich sollte es diesmal nicht werden - so war das Visum recht unkompliziert zu beschaffen und mit der Zusage eines Reisegefährten auch ein wenig die Angst genommen... Sorge hatte ich allerdings, dass es bei der Einreise in die USA und nach Südkorea Probleme geben könnte. Das hielt sich aber ebenfalls in Grenzen und so ging es am 17.11. von Peking nach Pjöngjang. Alles war aufregend. Der Check In - es waren erstaunlich viele Passagiere am Schalter, der Flug - es setzte augenblicklich Propaganda ein, die Ankunft - wir wurden  z.B. Zeugen wie die koreanische Frauenfußball-Mannschaft (sie holte in China den Asia-Cup) zwar den Diplomaten-Track nutzen konnte, sich dort aber lediglich ihrer Pässe zu entledigen hatten um anschließend wieder in Isolation zu verschwinden. Wir Touristen mussten Mobiltelefone, Kameras und Bücher zur Inspektion abgeben und durften erst nach eingehender Kontrolle einreisen. Abgeholt wurden wir von einer Aufpasserin und einem Aufpasser, die uns während der Dauer unseres Aufenthaltes nicht mehr von der Seite weichen sollten. Und dann setzte sie ein die erwartete Propaganda-Maschinerie...Kim Il Sung und Kim Yong Il an allen Ecken und Enden, ich kann das alles gar nicht in Kürze widergeben. Nur so viel - es war scheußlich. Gefreut hatte ich mich auf besagten 2. Tag (s.o.), an dem wir, nach Propagandaschlacht, in einen Pionierpalast eingeladen waren, um Aufführungen von Kindern (in Nordkorea heißen diese Pioniere) zu sehen. Das war aber das reinste Gruselkabinett - wir sahen dressierte, aufgedrehte Kinder, die in erschreckender Perfektion kleine Kostproben ihres eingedroschenen Könnens zeigten ohne auch nur im aller geringsten mit uns Zuschauern Kontakt aufzunehmen. Ich habe einmal den Versuch gestartet deren Leistung mit einem "Komapsemida" (Danke) und einem Lächeln zu würdigen und wurde in einem derartigen Maße "nicht angeguckt", dass es mir das Blut in den Adern gefrieren ließ und von diesem Moment an konnte ich nichts mehr genießen. Im Rahmen eines kleinen Theaterstückes wurde der "Verkehr" Pjöngjangs dargestellt - alles aufgesetzt und übertrieben und genau das hatte ich im Kopf, als mich unsere Aufpasserin anschließend fragte ob es mir gefallen habe... ich antwortete, dass es "interessant" gewesen sei, die Perfektion "unfassbar", die strahlenden Gesichter der Kinder allerdings überhaupt nichts mit den Gesichtern zu tun hatten, die (wir überholten gerade einen mit Menschen vollgestopften Bus) auf der Straße zu sehen seien... das wurde mit Lachen quittiert.


Am 3. Tag besuchten wir Panmunjom, dass ich bereits 2012 kennen lernte. Diesmal hörte sich die Geschichte rund um den Koreakrieg und die Tatsache der Teilung Koreas natürlich ganz anders an... Kim Il Sung, der ja bereits 1945 (fast im Alleingang) die Japaner schlug und damit das 40jährige Joch der Invasion beendete, hat quasi auch den Koreakrieg siegreich beendet und Nordkorea den Kommunismus beschert - so etwas kann doch eigentlich auch nur ein gottgleiches Wesen hinkriegen (dass aber im Koreakrieg zigtausende Chinesen mit von der Partie waren, blieb ebenso unerwähnt wie der Ausgang des Krieges von Nordkorea aus. Alles nur feindliche Geschichtsfälschung!!!)


Der Nachmittag war dann der "propagandärmste" Teil unseres Aufenthaltes. Wir besuchten die ehemalige Haupstadt Koryos (Koreas). Kaesong war bis zur japanischen Invasion 1905 auch Sitz des Kaisers, so waren Teile des Palastes und die berühmten Königs-Gräber zu bewundern, die zum Welt-Kulturerbe erklärt wurden. Im Gegensatz zu Welt-Kulturerbe-Stätten anderenorts, die man in aller Regel mit tausenden Besuchern zu teilen hat, waren wir da... die einzigen Besucher.


Da der 3. Tag gleichzeitig unser letzter war, gab es ein Abschluss-Dinner. Unsere Aufpasser zeigten sich recht entspannt, vielleicht auch weil sie uns am nächsten Tag loswerden würden und das, in Anbetracht der unangenehmen Fragen die ich stellte und Anliegen die ich hatte, als Befreiung empfanden. Doch dann kam die unglückliche Frage, die besser nicht gestellt worden wäre... "Wie hat Ihnen denn der Aufenthalt in unserem Lande gefallen?" Da es mir die Sprache verschlug, antwortete zunächst mein mitreisender Freund und gab mir damit Gelegenheit, mich gegebenfalls der "Stimme zu enthalten" und ich dachte auch ernsthaft darüber nach. Aber dann legte ich los und gab zunächst zu verstehen, dass ich diesen "Pionierpalst-Fake" als Übergriff empfand, dass es mich aber noch mehr belastet hat so gar keinen Kontakt zur Bevölkerung zu bekommen, oder bekommen zu dürfen, und dass ich genau daran fest mache, ob mir ein Auslandsaufenthalt gefällt oder nicht...


Am kommenden Morgen brachten uns unsere Aufpasser noch zum Flughafen, halfen uns bei den Ausreiseformalitäten und fragten, ob wir noch einmal nach Nordkorea reisen würden... "Ja..."  war meine Antwort "wenn WIR uns frei im Land bewegen können und das Zusammensein mit IHNEN auf freiwilligen Verabredungen beruht"...


Kurz bevor wir in die Maschine stiegen, winkten wir einander noch einmal zu - das war´s...


 



]]>
Thu, 26 Nov 2015 16:26:22 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=14
Delhi http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=13 Seit letzter Nacht bin ich in Delhi und habe heute erst einmal ausgeschlafen - um wieder einen klaren Verstand zu bekommen...

Der Bericht aus Nord-Korea wird noch ein Weilchen auf sich warten lassen müssen, da sich alles immer noch eher wie ein schlechter Traum, denn als real Geschehenes anfühlt. Das hängt gewiss mit der gottgleichen Präsenz von Kim Il Sung (dem großen Führer) und Kim Yong Il (dem lieben Führer) und der überall vernehmbaren und in Trance versetzenden Musik zusammen. Das muss erst einmal alles aus dem Schädel - dann kann ich auf die Dinge blicken.

Zu den Bildern: auf dem ersten treffen wir, scheinbar "spontan", mit Deutsch-Studenten der "Großen Studienhalle des Volkes" zusammen (dazu muss ich ausführlich berichten), auf dem zweiten -  die bereits erwähnten Götter des Landes (30 Meter hohe Bronze-Statuen, der große Führer etwas größer...) und auf dem dritten - kommunistische Propaganda flächendeckend, hier in der U-Bahn (auch da bitte nicht annehmen wir seinen so einfach mit der U-Bahn gefahren...).

Mehr dazu sobald ich kann!

Morgen geht es erst einmal an die Deutsche Schule hier in Delhi...

  

]]>
Mon, 23 Nov 2015 09:30:42 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=13
Peking - Pjöngjang - Peking - Hong Kong http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=12 Ich bin zurück aus Nord-Korea und auf dem Weg nach Delhi...

Nord-Korea war das Bizarrste was ich jemals in meinem Leben gesehen und erlebt habe. Vor ca. 32 Stunden bin ich in Peking gelandet und seit heute morgen auf dem Weg nach Delhi... ganze 5 Stunden standen wir bei regem Schneetreiben auf dem Rollfeld, bevor der Flieger abhob. Nun bin ich in Hong Kong (bei 28 Grad), genieße ein schönes Abendessen  und meine Gedanken kreisen permanent um das, was ich in den vergangenen 5 Tagen erlebt habe. Das muss ich erst einmal alles verpacken... Nur so viel: "Der Vorhang ging auf, ich habe eine Szenerie der skurrilsten Art betreten, sie wieder verlassen... Vorhang zu und ich werde die Menschen die ich getroffen habe wahrscheinlich nie wieder sehen..."


Ich muss los!

]]>
Sun, 22 Nov 2015 12:56:00 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=12
Von Seoul nach Peking http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=11

Seit Samstag Abend bin ich in Peking. Angekommen bin ich bei wolkenlosem Himmel. Dennoch war die Sonne kaum sichtbar...Smog verschleiert einfach alles. Man sieht nur das, was sich in allernächster Nähe befindet, der Rest verschwindet im Nebel - geradezu gespenstisch. Das Rollfeld sah ich auch erst wenige Sekunden vor dem Aufsetzen des Flugzeuges. Berichten möchte ich aber über Süd-Korea. 

Südkorea gedenkt des 25. Jahrestages der deutschen Wiedervereinigung mit vielen Veranstaltungen und reflektiert dabei stets die eigene Situation. Das spürt man deutlich bei den im Anschluss an meine Vorträge stattfindenden Frage-Stunden. Mir ist hier klar geworden, dass die Situation des geteilten Korea mit der des geteilten Deutschland nicht vergleichbar ist. Als die Mauer in Berlin fiel, leitete dieses Ereignis die Beendigung einer 40jährigen deutschen Teilung ein, während der es aber Kontakt zwischen den Deutschen gab. Familien konnten sich aufgrund der Reisemöglichkeit von West nach Ost und später auch von Ost nach West sehen und es flossen Informationen zwischen beiden deutschen Staaten. Korea ist nun schon 70 Jahre geteilt, die letzten Familienbande besteht zwischen 80- bis 90jährigen. Es ist eine Frage der Zeit, dass die Bürger des einen Landes nichts mehr mit denen des andernen verbindet, ausser - dass sie mal ein Volk waren und auch heute mit Japan noch einen gemeinsamen Feind haben (in der "Korean Post" las ich neulich, dass 60 % der Südkoreander Japan hassen... in Nordkorea dürften es aufgrund der kommunistischen Propaganda weit mehr Leute sein und es wird dort eifrig bis in die Kindergärten tradiert). Die Jugendlichen Südkoreas, so mein Eindruck, stehen einer koreanischen Wiedervereinigung weitestgehend desinteressiert gegenüber und auch die Erwachsenen fürchten eher die Kosten als dass sie einen Nutzen in dieser sehen. Dennoch reden alle von einer Wiedervereinigung und reagieren irritiert, wenn man als Deutscher den Eindruck, eine Wiedervereinigung liege in weiter Ferne, zum Ausdruck bringt. In Korea gibt und gab es auch keine Annäherungspolitik, die mit der von Willi Brandt vergleichbar wäre. Die Fronten scheinen verhärtet und Nordkorea verhindert jeden Kontakt seiner Bürger zum Ausland und zu Ausländern im eigenen Land... (wovon ich mir ab morgen ein Bild machen werde).

Joachim Gauck war zum Jahrestag der Wiedervereinigung Deutschlands in Seoul zu Gast und dieser Besuch war einer der am meisten beachtetsten eines Staatsmannes in jüngster Vergangenheit. Auch ich spürte das deutlich, denn wo ich auch hinkam sprach man von seinem Besuch.

Nach Besuchen in der deutschen Schule, dem Goethe-Institut, dem Museum für koreanische Zeitgeschichte, Begegnungen mit nordkoreanischen Flüchtlingen und Zeitzeugen der südkoreanischen Diktatutur, besuchte ich die Hankuk University of Foreign Studies und war dort mehr als beeindruckt von der Würdigung meines Besuchs (siehe Bild mit Banner). Ich lernte aber auch noch die Keimyung Universität in Daegu, einer Stadt im Süden Koreas, kennen und war auf mehreren Pressekonferenzen zu Gast. Es werden 3 Zeitungen über meinen Besuch berichten, worauf ich mehr als gespannt bin, denn die Übersetzung des von mir Gesagtem dauerte stets 3mal so lang...

Als ich am Samstag aus Seoul abreiste, war ich eigentlich ziemlich traurig. Ich hatte so viele Begegnungen die so nachhaltig auf mich wirken. Mitarbeiter der deutschen Botschaft verabschiedeten mich aber mit der Bemerkung "man arbeite schon an meinem nächsten Besuch"... na wenn das keine Perspektive ist!

Seoul behalte ich in bester Erinnerung - die Menschen, die Veranstaltungen, aber auch die wunderbare herbstliche Laubfärbung.

Über China berichte ich, wenn ich wieder das Gefühl habe alles sagen zu dürfen und ungehinderten Zugang zu allem im Internet zu haben, was ICH als wichtig erachte (so ist mein Blog hier z.B. gesperrt)...

Jetzt geht es erst einmal nach Nordkorea und das mit durchaus gemischten Gefühlen. Auch da wird es mit einer Berichterstattung dauern, da ich im Land selbst keinerlei Kontakt zur Aussenwelt habe und mich nach meiner Rückkehr nur kurz in Peking aufhalten um dann in Hong-Kong "durchzuatmen"...

Denkt an mich!

 





]]>
Mon, 16 Nov 2015 09:22:18 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=11
Südkorea http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=10 Ich bin auf dem Sprung zum Flughafen um den Flieger nach Peking zu bekommen. Das Programm in Seoul und auch in anderen Städten Südkoreas war so dicht, so intensiv aber auch so ergiebig und ich habe so viel Wertschätzung erfahren, dass ich erst einmal Zeit zum "Sortieren" brauche um einen aussagekräftigen Bericht zu schreiben.

Ich verlasse Seoul mit tollen Eindrücken und mache mich auf (wenn alles gut geht) in den anderen Teil Koreas...

]]>
Sat, 14 Nov 2015 01:46:08 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=10
Seoul http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=9 Also, ich bin nicht gerade erst aufgestanden... aber nach einem faulen Sonntag bin ich seit Montag "im Geschehen" und mehr als überrascht über das dichte Programm und die Resonanz auf meinen Besuch. Ich war bereits an der deutschen Schule, im Goethe-Institut, im Museum für Zeitgeschichte und auf 2 Pressekonferenzen. Überall habe ich interessante Menschen getroffen und unzählige Gespräche geführt. Meine Eindrücke muss ich erst ordnen, bevor ich sie schildern kann.


Aber wenigstens ein paar Bilder will ich einstellen...

 



]]>
Wed, 11 Nov 2015 05:11:05 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=9
Seoul (ich bin drin) http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=8 Ich bin angekommen... und reingekommen!


Ersteres war zu erwarten, aber 3 Kontinente innerhalb von 6 Tagen ist selbst für mich ein bisschen viel des Guten. Ich bin kaputt - aber froh eben reingekommen zu sein. Jetzt kann ich es verraten... sowohl die Einreise in die USA, als auch nach Südkorea war keineswegs selbstverständlich - mit einem nordkoreanischen Visum im Pass... was ich damit anzustellen gedenke, schreibe ich Montag und stelle dann auch ein paar aktuelle Bilder ins Netz.


Jetzt schlaf ich erst einmal aus!

]]>
Sat, 07 Nov 2015 14:49:58 +0100 http://www.f19essen.de/zeitzeugen/blog/index.php?d=8